Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/140

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auch Schwenkkessel und die dazu gehörigen Wasserblasen. Ein solcher Schwenkkessel, Tafel 58, gleichgültig ob bei der Tafel gebraucht oder nicht, gehörte jetzt mit zur Ausstattung des Speisesaals und nicht ein Stück allein. Mit der Wasserblase zusammen bildete er eine Garnitur und der beliebten Symmetrie halber kamen gleich zwei oder mehr Paare zur Aufstellung. Die Größe des Kessels ohne die Henkel, 45 cm hoch und 94 cm lang, sein Gewicht von 22150 g, läßt erkennen, daß es dabei darauf ankam, schon hierdurch Eindruck zu machen. Aus richtigem künstlerischen Gefühl heraus, ist hierbei auf zierliche Ornamentik verzichtet. Allein der spiegelnde Glanz des vergoldeten Silbers unterstützt die Wirkung seiner Formen. Mittels einer Reihe breiter Buckel an der unteren Ausbuchtung und wieder einer Reihe von breiten Ausbuchtungen über der Einschnürung wird ein Wechsel von Lichtreflexen erzielt, der die großen charaktervoll getriebenen Formen gut zur Erscheinung bringt. Der Eindruck wuchtiger Festigkeit wird durch die ausgreifenden vier Löwenfüße verstärkt, ebenso entsprechen die seitlichen Henkel sowohl ihrer Aufgabe, wie dem gesamten Charakter des Gefäßes. – Ein paar noch größerer und je 5370 g schwerer Eiskessel gleichfalls Augsburger Arbeit, einfacher in der Form ist aus dem gleichen Bedürfnis und Gefühl heraus entstanden (IV, 212).

Zu jenen beiden Schwenkkesseln gehören zwei Wasserblasen, deren eine auf Tafel 59 abgebildet ist. Das Wassergefäß hat die Form einer Vase. Das birnförmig runde Gefäß ist ebenso ohne ornamentale Verzierung gelassen, nur die verschiedenen Buckelreihen dienen ihr als Schmuck und bringen die vornehm entwickelte Form zu monumentalem Ausdruck. Die Löwenköpfe mit Henkelringen in den Mäulern, die Delphin als Ausguß entsprechen vollständig den Verhältnissen des Aufbaues, wenn auch die Form einer Vase, der dieser Delphin an der Ausgußstelle angesetzt werden mußte, nicht als die entsprechende Lösung der Aufgabe erscheinen mag. Die Marken HB an diesen Gefäßen sind bisher noch nicht mit einem bestimmten Augsburger Meister in Zusammenhang gebracht worden. Er ist jedenfalls nicht identisch mit dem Verfertiger der beiden Eiskessel, die JLB signiert sind und nur auf Johann Ludwig Biller I. gedeutet werden können, der 1656 in Augsburg geboren ist.

Ähnliches vornehmes Formgefühl und Verzicht auf ornamentale Verzierung unter Verwendung einzelner plastischer figuraler Motive an den dazu passenden Stellen bekunden die beiden ganz ohne Zweifel von einem Meister hergestellten