Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/152

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matten Glanz der Lehne ausgestreut, aus einem ähnlichen Empfinden veranlaßt, wie die Wandfelder der Wohnräume mit vergoldeten Leisten und Ornamenten belebt wurden. Wir wissen nicht, wer die Figürchen geschnitzt hat. Doch ist die Elfenbeinschnitzerei während des ganzen 17. Jahrhunderts in Dresden heimisch gewesen, eine neue Blüte erlebte sie hier in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts, eingeleitet von den Arbeiten des durch seine Skulpturen am Dresdner Zwinger berühmten Bildhauers Balthasar Permoser. Seine bekannten und zum Teil signierten Arbeiten in Elfenbein haben ja das größere Format des 17. Jahrhunderts, doch werden bei einer der letzten Arbeiten Dinglingers, dem verschollenen „Chemischen Parnaß“, in einer literarischen Quelle des 18. Jahrhunderts die Figuren der vier Elemente Permoser zugewiesen, die sicher das kleinere Format, das dann in den Nippesfigürchen des Grünen Gewölbes vorherrscht, gleichfalls hatten. So ist es also wahrscheinlich, daß auch hier schon Permoser mitgewirkt hat.

Außer diesen an den Rücklehnen der Schalen angebrachten Elfenbeinarbeiten sind an dem Kaffeeservice auf der mittleren Etage lediglich als Verzierung des ganzen Aufbaues die etwas größeren sitzenden Figuren der vier Elemente und zwei Amoretten als Tragfiguren, die jedenfalls auch von demselben Elfenbeinschnitzer hergestellt sind. Auch hier hat Dinglinger gelegentlich die Gewänder in gleicher Weise wie die Schalen verziert.

Außer diesen Schalen gehören noch zu dem Service vier silbervergoldete Kredenzteller, vier goldene emaillierte Löffelchen und vier kleine goldene und mit Email überzogene Büchsen, alle auch mit Diamanten besetzt. Die Kredenzteller sind nicht mit abgebildet, die Löffel liegen auf den Schalen mit Lehne, die Büchsen sind neben den Dosen auf der untersten Platte stehend zu erkennen, sie sind in Form zweihenkliger Vasen sehr elegant aufgebaut.

Solche kleine Gegenstände des Toiletteluxus der Zeit der Galanterie sind neben den Tabatièren die bevorzugten Stücke, an deren Ausstattung besonders die Goldschmiede der Zeit alle ihre Kunstmittel zu höchster Blüte entfalteten. In der abwechslungsreichen Erfindung ihrer Formen und ihrer kostbaren Ausstattung steht Dinglinger mit diesen Werken, von denen an seinen anderen größeren Arbeiten noch mannigfache Beispiele vorhanden sind, an der Spitze der ganzen Entwickelung schon in ihren ersten Anfängen. An dem Kaffeezeug können wir noch dazu rechnen die in Form von Pilgerflaschen aus Kristallglas geschnittenen vier am Fuß und am Hals in Gold