Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/16

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unwahrscheinlich, daß dieses Werk edelster Goldschmiedekunst in Rußland von einem deutschen Kunsthandwerker ausgeführt worden ist. Der Rand der Zierplatte, die in den Angriff übergeht, ist abwechselnd mit Goldkörnern und Perlen besetzt, die auch sonst vorkommen.

Eine ganz ungewöhnliche Form der flachen Schale auf kurzem Fuß ist eine zweifellos deutsche Arbeit zur Zeit des Kurfürsten August von Sachsen, reg. 1553–1586, und für diesen entstanden. Tafel 3, 2. Sie ist von dem Nürnberger Goldschmied Caspar Widmann, der 1554 Meister wurde, angefertigt. Die herzförmig ausgeschnittene Schale aus vergoldetem Silber ist an den Seiten zusammengebogen, an der herzförmigen Einbuchtung ist als Angriff ein Löwe angesetzt, dessen Körper aus Chalzedon geschnitten ist. So kann also der gegenüberliegende schmale Schalenrand als Ausguß dienen. Die Schale hat zu ihrer eigenartigen Form noch eine wiederum besondere Zierde dadurch erhalten, daß aus einer in das Innere des Bodens eingesetzten Scheibe der Kopf und Hals eines Seehunds aus Achat emporragt, dessen wohl wenig veränderte Naturform des Steins die Anregung zu dieser Ausgestaltung gegeben hat. Ihre Bestimmung für Kurfürst August, läßt sich aus der Verzierung des Schalenrandes im Innern schließen. Die vom Rand nach der Mitte spitz zulaufenden, abwechselnd größeren und kleineren durch Ätzung in die Fläche gezeichneten Behänge sind mit Mauresken ausgefüllt, für welche Ornamentform gerade Kurfürst August eine so große Vorliebe hatte, daß er damit nicht nur die von dem Dresdner Meister Urban Schneeweis für ihn gefaßten Krüge, Humpen und Dosen in Ätzung verzieren ließ, sondern auch all sein aus Eisen angefertigtes Handwerkszeug im Historischen Museum. Aber noch ein anderes Kennzeichen beweist, daß die Schale für ihn entstanden ist. Die das Bodeninnere bedeckende Scheibe, deren Relief Fruchtbündel zeigt, flankiert von langhalsigen Vögeln, ist aus demselben Modell gegossen wie die Scheibe des Krugdeckels (I, Tafel 62, 1), dessen gegossener Fries am Hals mit den Monogrammen von Vater August und Mutter Anna ausgestattet ist. Die einheitliche Stilistik der Fassung jenes Tonkruges verbietet, daran zu denken, daß das Modell für jene Scheibe zufällig in den Besitz eines anderen Meisters übergegangen wäre. Ebenso einheitlich wirkt auch die Schale. Deren Fuß ist gleichfalls mit einer gegossenen Scheibe verziert, deren Relief drei Löwenmasken zwischen Rollwerk enthält. Ferner hat der kurze Schaft des Fußes in Relief gegossene, von vorn gesehene Köpfchen in Rollwerk, flankiert von seitlich gesehenen Teufeln mit vorgereckten