Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/35

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auch der andere höhere Deckel nicht zu diesen Pokalen, denn er hat überhaupt keine Marken. Jedenfalls aber paßt er in der Größe und mit dem übergreifenden Rand besser dazu. Das Verschwinden der zugehörigen Deckel ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, daß der überaus große Reichtum an Ziergefäßen dieser Art, von dem uns die anonym 1880 erschienene Schrift von ô Byrn, „die Hofsilberkammer zu Dresden“, Kunde gibt, gelegentlich gelichtet wurde, wobei dann die Deckel mögen vertauscht worden sein. Die Abbildung läßt erkennen, welche Häufung von Motiven besonders an den getriebenen und ziselierten Teilen angewandt worden ist, gelagerte Figuren, Kopfmasken, Fruchtbündel werden teils umrankt, teils eingerahmt von durcheinandergesteckten Bändern des sogenannten Rollwerks, das seit der Jahrhundertmitte in Deutschland als neues Ornamentmotiv eine überaus große Beliebtheit erlangte und in seiner Bewegung und Durchschlingung zu immer verwickelteren und kühneren Gebilden geführt wurde. Das zylindrische Glied des Mundrandes ist mit Mauresken geätzt, der gleichfalls beliebten Ornamentform, ebenso sind auch die beiden anderen engeren zylindrischen Glieder unter dem Gefäßkörper und unter dem Schaft mit Mauresken bedeckt, und damit nicht genug, es sind auch noch gegossene Löwenmasken an den Zylinderring des Gefäßkörpers aufgesetzt, wie überhaupt jetzt solche gegossene Besatzstücke häufiger werden, so auch hier an dem größeren Deckel. Bei dem durch eine gleichbreite Hohlkehle von dem oberen stark ausladenden Wulst des Gefäßes getrennten zylindrischen Glied ist schon das Gefühl dafür fast verlorengegangen, daß es nur den unteren Teil des Gefaßkörpers bildet. Es ist so stark verkümmert, und durch die Hohlkehle so scharf abgetrennt, daß man diesen Teil ebensowohl zu dem Schaft, wie zu dem Gefäß, zu dem es aber der ganzen Entwicklung der Pokalform nach gehört, rechnen könnte. Auch die Hohlkehlen am Gefäß und am Fuß sind mit Mauresken geätzt. Zu den Mauresken der beiden unteren zylindrischen Glieder ist auch noch Belebung durch allerdings diskrete Farben hinzugekommen, sie sind mit blauem und grünem Email ausgefüllt. Solche stellenweise Mitwirkung der Farbe bei dem vorherrschenden Goldglanz wird jetzt bei anderen Pokalen besonders auf die Krönung der Deckelspitze ausgedehnt. Hierzu wird aber dann meist sogenanntes kaltes Email, das sind Lackfarben, verwendet, von denen allerdings vielfach nur noch Spuren sich erhalten haben. In wohlberechnetem und wirkungsvollem Gegensatz zu den nur durch geätzte Mauresken verzierten geraden oder gehöhlten Zonen stehen die plastisch mit getriebenem Rollwerk