Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/55

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Schmelzwerk verziert ist. Diese Technik des durchsichtigen Tiefschnitt-Emails auf Silber und ihre vollendete künstlerische Durchbildung wird mit dem Namen eines führenden Meisters der Augsburger Goldschmiedekunst, David Altenstetter, † 1617, in Verbindung gebracht, der mit ähnlich transluziden Emailplatten auch den berühmten und bedeutendsten Kunstschrank der ganzen Gattung, den Pommerschen Kunstschrank des Berliner Schloßmuseums ausgestattet hat, während die silbernen Reliefs und Figuren desselben von dem gleich hochstehenden Augsburger Mathias Wallbaum, 1553–1634, herrührten. Das Dresdner Kunstschränkchen ist ohne Signaturen. Wenn auch verschiedene Meister an ihm gemeinsam tätig gewesen sind, so gewährt es doch einen völlig einheitlichen Eindruck und ist ein typisches Beispiel dafür, wie das deutsche Kunsthandwerk die Aufgabe eines solchen mit einer Uhr ausgestatteten Zierschränkchens löste. Es besteht aber kein zwingender Grund dafür, das ganze Werk als in Augsburg entstanden anzusehen. Die gleiche Verbindung architektonisch in Ebenholz aufgebauter Schränkchen und auch Uhrgehäuse mit weißsilbernen oder in Feuer vergoldeten silbernen Zieraten und die gleiche Formensprache und technische Meisterschaft herrschten auch in Nürnberg. Dort entstandene Werke haben auch die gleiche Technik und Stilistik des durchsichtigen Tiefschnittschmelzes auf Silber. Eine besonders kunstvolle Arbeit dieser Art zeigt das Ebenholzgehäuse der 1591 für Dresden erworbenen Standuhr des Paul Schuster im Mathematischen Salon, dessen Zifferblätter auch ein Astrolabium und ein Kalenderwerk enthalten.

Anders geschieht dies in Italien. Dort ist die Zusammenfügung verschiedenfarbiger Marmor- und anderer Steinsorten eine althergebrachte beliebte Kunstübung und so ist es dort nur natürlich, daß auch der Uhrmacher, der sein Werk künstlerisch ausstatten wollte, und dabei der Vorliebe für Kunstschränke huldigte, sich dieses Steinmosaiks bediente. Ein schönes Beispiel hierfür bildet die von Gio. Campani in Rom 1659 hergestellte Standuhr, Inv. I, 14, der natürlich das Gehäuse nicht selbst gemacht hat. Der Mathematische Salon besitzt von ihm ein Mikroskop von 1696, das der Porzellanerfinder Böttger benutzt hat. Campani war also in Rom Uhrmacher und Instrumentenmacher.

Neben der Vorliebe für solche Kunstschränkchen und diesen nahestehende Werke gleicher Ausstattung, herrschte in Deutschland seit der Mitte des 16. Jahrhunderts eine zunehmende Vorliebe für Kunstdrechslerwerke in Elfenbein,