Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/81

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

die der Gestalt beigefügt sind, und die nach der Fabel ihren Herrn zerfleischten, haben hier von dessen Verwandlung noch nichts bemerkt und so ist die Arbeit nur durch ihre gute formale Behandlung von Interesse. Wenn alle diese Gestalten auch abnehmbare Köpfe haben und so auch gelegentlich als Gefäße verwendbar sein mögen, so ist das immer noch eine Konzession an die noch vorherrschende Zeitgewohnheit, das Interesse des Silberschmieds war jedoch darauf gerichtet, mit seinem Handwerksgerät in Treibarbeit ein Werk der Kleinplastik herzustellen. Das in Italien weit früher erwachte Interesse für die Herstellung solcher Werke als Zimmerschmuck in Bronzeguß war damals in Deutschland noch nicht stark genug, um den Silberschmieden durch die Bildhauer einen solchen Wettbewerb zu schaffen.

In die Zeit der Entstehung der St. Georgsgruppen führen uns zwei in Silber getriebene Tierfiguren zurück, die in Nürnberg der 1585 zur Meisterschaft gelangte Urban Wolff hergestellt hat. Ganz zur gleichen Gattung gehört sein Kriegselefant aus vergoldetem Silber getrieben auf Tafel 35. Das Stück ist dadurch prunkvoller ausgestattet, daß es mit teils größeren Smaragden in Kastenfassungen, teils kleineren Steinen auf Rosetten besetzt ist. Auch ist der Sockel außerdem noch mit kleinen gegossenen Waldtieren besetzt. Auch der auf der Schabracke aufsitzende mit Perlmutterplättchen belegte Kriegsturm trägt zur farbigen Belebung des Stückes bei. Die menschlichen Gestalten, der auf dem Nacken sitzende Führer und die drei Krieger des Turms, erheben sich nicht über das Durchschnittskönnen des Handwerks. Der Elefant macht nicht allenthalben den Eindruck, als ob der Urheber ein Vorbild in natura studiert hätte.

Wenn also diese Arbeit das Können des Meisters nicht von seiner besten Seite zeigt, so um so mehr die andere. Der silbervergoldete getriebene steigende Löwe auf Tafel 36 mit dem Reichsapfel in der linken und dem sächsischen Wappenschild in der rechten Vorderpranke. Der ovale Sockel hat ebenso wie der vorige Farbsteine und kleine Tiere als Belebung. Der Hauptwert des 67 cm hohen Stückes besteht in der prächtigen Stilisierung der sonst ziemlich naturähnlich gebildeten aufrecht einherschreitenden Tiergestalt, die auch durch ihre Zackenkrone als Wappentier, als der sächsische Löwe, gekennzeichnet ist. Um das in den Schild eingravierte Wappen weisen die Initialen des Kurfürsten Johann Georg I. auf seinen Besitzer hin. Der in doppelter Schweifung zum Rücken emporgeführte Schwanz dient zugleich als Henkel der als Kanne verwendbaren Tiergestalt, deren Kopf abnehmbar ist. Dazu wird es wohl kaum