Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/101

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indem die tiefdunkle Farbe des Heliotrops mit ihrem glasartigen Politurglanz sich prächtig vereint mit dem Goldglanz der Fassung und dem leuchtenden Rot der ihr aufgesetzten Rubine. Das Grüne Gewölbe besitzt ebenso wie die Münchner Schatzkammer nur vereinzelte Beispiele dafür, daß die Goldschmiede den Reiz gerade dieser Farbenwirkungen zur Geltung gebracht haben. Und doch war die Verwendung des Heliotrops in dieser Art in Italien weiter ausgebildet. Das kunsthistorische Museum zu Wien besitzt davon eine ganz herrliche Gruppe, bei deren Verzierung auch noch Email und figürlicher Schmuck hinzukamen. Dort auch eine nicht minder durch die Goldschmiedearbeit ausgezeichnete Gruppe von Ziergefäßen aus Lapislazuli, woran gleichfalls das Grüne Gewölbe arm ist. Wohl wegen der Schönheit des mit Silberfäden durchzogenen Steins besitzt das Grüne Gewölbe davon ein Hauptstück: die Henkelkanne in antiker Form (V, 56), die aber, ohne Zutaten des Goldschmieds, gerade im Vergleich mit den Wiener Stücken erkennen läßt, wie sehr erst durch solche die künstlerische Wirkung erhöht wird. Eines dieser Stücke trägt am Fußrand das mediceische Wappen; es ist auch literarisch von Zeitgenossen bezeugt, daß Florenz in der Verarbeitung dieser Steinart im 16. Jahrhundert sich ausgezeichnet hat. Erst später hat diese dann auch in Deutschland Aufnahme gefunden, wofür als Zeugnis dient die auf Tafel 29 oben rechts abgebildete von dem Silberschmied mit emaillierten doppelten Henkeln und hohem Fuß ausgestattete Tasse aus hellgesprenkeltem Lapislazuli. Mag dieser Spielart auch ein gewisser Seltenheitswert zukommen, so hatte der Silberschmied, der die Farben seines Emails damit in Zusammenklang brachte, eine schwierigere Aufgabe, als bei der Verwendung andersfarbiger oder einfarbiger Stücke. So klingt auch die auf derselben Tafel 29 oben links abgebildete Tasse aus hellbraunem Chalcedon mit seiner spiegelnden Politur harmonischer mit dem hellen Email der goldenen Fassung zusammen, als dort. Bei beiden Stücken konnte der Goldschmied darauf verzichten, dem Steingefäß am Mundrand eine Metalleinfassung zu geben, indem er die Henkel durch ihre Verbindung mit der Fassung des Fußes zugleich als klammernde Schienen verwendete.

Eine solche Schienenfassung des Gefäßkörpers, wie sie bei den deutschen Pokalen auf hohem Schaft mit Gefäßen aus Straußeneiern, Kokosnüssen und Muscheln stets erforderlich war und auch zunehmend künstlerisch ausgestaltet wurde, war bei den aus Stein gedrehten oder geschnittenen Schalen meist überflüssig. Während die Schalen in Tassenform oft gar nicht in Rücksicht auf eine