Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/105

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Stein geschnittene Handhabe kommt so schon bei mittelalterlichen Steingefäßen und gedrehten Holzgefäßen vor, früher aber schon bei antiken Steingefäßen, wie jener Tasse auf Tafel 27, und verdankt ihre Entstehung sowohl der Rücksicht auf den Gebrauchszweck, wie den Mitteln des Handwerksgeräts. Bei unserem Krug fand also der Goldschmied die Form schon vor und suchte ihr durch seine in teils vergoldetem und emailliertem Silber hergestellte Fassung größere Kostbarkeit zu verleihen, um so dem Wert des edlen Steins und seiner seltenen altertümlichen Form durch die künstlerische Ausstattung höhere Beachtung zu verschaffen. Das ist ihm aufs glücklichste dadurch gelungen, daß er deren unterer Ausbauchung durch den silbernen eingeschweiften runden Sockel eine Gegenbewegung gab, durch die zugleich jene Ausbauchung höher vom Boden emporgerückt und in die rhythmische Bewegung der jetzt erzielten Gesamterscheinung als ihre stärkste Ausladung einbezogen und damit ihr straffes Emporstreben mit Spannung erfüllt wurde. Die vier auf den Sockel aufgesetzten Delphine begleiten mit ihren nach oben gestellten Schwänzen dieses Emporrecken der Form. Der gewölbte silberne Deckel dämpft dann die ganze Bewegung ab. Der Krug ist noch dadurch besonders bemerkenswert, daß dessen Deckel und Sockel mit silbernen Platten belegt sind, auf denen eingestochene Verzierungen durch farbiges durchsichtiges Email ausgezeichnet sind, oben mit Blumen und Vögeln, unten mit grotesken Tieren und Ranken. Für solches Email auf Silber und seine Motive hat man gewöhnlich den Augsburger Meister David Altenstetter bereit, der sich darin ausgezeichnet hat. Tatsächlich hat der Sockel auch die Beschaumarke von Augsburg, doch eine andere Meistermarke, vermutlich von Philipp Pehner, der 1573 bis 1634 lebte, also noch zur selben Zeit in Augsburg tätig war, wie der 1617 verstorbene Altenstetter.

Während der zu diesem Krug verwendete edle Serpentinstein sicher im Ausland zubereitet wurde, wird zu der auf Tafel 30 abgebildeten großen Schale im Inventar angegeben, daß sie aus sächsischem Amethyst hergestellt ist; dann darf angenommen werden, daß ein in sächsischem Dienst stehender Edelsteinschneider ihn bearbeitet hat, der also auch härtere Steinsorten zu verarbeiten fähig war. Ebenso wird ein sächsischer Goldschmied sie als Ziergefäß ausgestaltet und verziert haben, der etwa gleichaltrig mit dem Freiberger Meister Samuel Klemm (1611–78) gewesen ist. Die rings um den Rand der Schale, sowie an Knauf und Sockel aufgelegten Blattranken lassen mit ihren weichen Umrissen an diese Zeit der Entstehung denken. Der massigen Form der ovalen