Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/11

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Anders verhält es sich bei den Werken der Goldschmiedekunst. Für diese war die längste Zeit eine Stempelung nicht vorgeschrieben, so ist also auch der Titel des Werkes von Marc Rosenberg, „Der Goldschmiede Merkzeichen“ irreführend, er würde zutreffender lauten; der Silberschmiede Merkzeichen. Der Titel wurde gewählt, weil die Bezeichnung „Goldschmied“ früher und auch heute noch alle Gattungen des Handwerks zusammenfaßte, und weil die Juweliere und Emailleure, die zumeist in Gold arbeiteten, mit den Silberschmieden der gleichen Innung zugehörten. Der höhere Wert des Goldes und der der Edelsteine haben es verschuldet, daß das wenigste von dem, was vorhanden war, erhalten geblieben ist. Nur die kirchlichen und fürstlichen Schatzkammern haben einiges davon aufbewahrt oder in die staatlichen Museen gelangen lassen und nur in seltenen Fällen, soweit nicht die Werke selbst darüber Auskunft gaben, waren Zeugnisse über ihren Ursprung gesucht oder gefunden worden. Von dem aber, was aus altem Besitz in die seit dem 19. Jahrhundert entstandenen Privatsammlungen übergegangen ist, wurde durch den Zwischenhandel die Herkunft in der Regel verschwiegen, so daß für diesen Bestand noch schwieriger als bei jenem die Erzeuger einzelner Werke zu ermitteln sein mögen. So ist es gekommen, daß vielfach auch heute noch eine überaus große Unsicherheit besteht über die Zuweisung vieler Werke, nicht etwa schon an einzelne Meister oder Orte ihrer Herstellung, sondern sogar auch nur an deren Länder, ebenso auch über die Zeit ihrer Entstehung, wofür die Bestimmungen bis zu einem halben Jahrhundert auseinandergingen. Und dies ist insbesondere deshalb zu bedauern, weil zumeist gerade diese Werke künstlerisch aufs höchste zu bewerten sind und sich vielfach vor den Werken der Silberschmiedekunst durch selbständige und vollendete Erfindung, sicherste Beherrschung aller handwerklichen Mittel und höchste Feinheit und Sorgfalt der formalen Ausführung auszeichnen.

Das meiste von dem, was hiervon in Deutschland erhalten geblieben ist, stammt erst aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und der späteren Zeit, es diente zumeist weltlichen Bedürfnissen, wie auch gerade die in diesem Band abgebildeten Gegenstände des Grünen Gewölbes. Dieser Bestand, besonders aus dem 16. und 17. Jahrhundert, ist nur ein verschwindend kleiner Rest von dem, was damals entstanden ist und zumeist in fürstlichem Besitz vorhanden war. Noch am zahlreichsten sind die Werke erhalten geblieben, die August der Starke (r. 1694–1733) für den Schmuck seiner Person und für das Grüne Gewölbe