Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/110

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die aus schwarzem Serpentin und Elfenbein geschnittene Negerbüste als Schaft verwendet. Diese drei Teile hat er sehr geschickt zu seinem Aufbau vereinigt, indem er dem Steinsockel einen gewölbten silbervergoldeten Fußrand gab und darüber einen geschweiften achteckigen ebensolchen Büstensockel setzte. Diese beiden Teile tragen das für Köhler charakteristische scharf ziselierte Bandwerk mit Vögeln und aufgesetzte Kameenköpfe, dazwischen noch Rubine und Diamanten. Die Negerbüste hat ebenso Diamantenschmuck, z. T. inkrustiert. – Köhlers Vorliebe für die zur Zierde aufgesetzten Reliefköpfe der Kameen scheint auch die Ausstattung der Schale aus Chalzedonachat auf derselben Tafel unten links bestimmt zu haben. Bei der Ziselierung des vierseitigen balusterartigen Schaftes, ebenso wie des flachgewölbten Sockels aus vergoldetem Silber hat er noch Bildnisköpfe in runder Einfassung zugefügt, die sich in ihrer Vergoldung von den grün gemalten Feldern ebenso abheben, wie Köpfe von Kameen aus zweifarbigem Onyx, eine sonst nicht vorkommende Stilübertragung. Seine Ziselierkunst zeigt er daneben noch an den auf dem Sockel zwischen den Medaillons lagernden Tieren.

Die ganze bisher fast nur an Zierschalen ausgebildete Kunstweise sehen wir jetzt auch an Standuhren zu deren Verzierung angewendet. Wir haben im 2. Band beobachtet, wie seit dem 16. Jahrhundert an den Standuhren zumeist größeres Format beliebt war, doch konnte dort, S. 63, schon darauf verwiesen werden, daß schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts auch kleineres Format in Aufnahme kam. Die hier auf Tafel 35 unten links abgebildete Tischuhr mit dem Pelikan wurde als Beispiel dafür angeführt. Deren auf der Rückseite befindliche Bezeichnung TR wurde dort auf den in Dresden 1610 nachweisbaren Tobias Reichel gedeutet. Mit dem gleichen Monogramm versehene Degenuhren im Historischen Museum werden dort jedoch auf den 1602 und 1603 tätigen Meister Thomas Röhr zurückgeführt. Allgemeinere Beliebtheit scheinen solche kleineren Standuhren erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts gefunden zu haben. Und J. H. Köhler scheint am meisten bestrebt gewesen zu sein, diese Gunst der Mode seiner Kunstfertigkeit dienstbar zu machen. Davon zeugten schon die beiden im 2. Band auf den Tafeln 26 u. 27 abgebildeten kostbaren Stutzuhren, die zugleich die technische Vielseitigkeit des Meisters erkennen lassen (davon wird, wohl irrtümlich, im Inventar die Hubertusstutzuhr als Arbeit eines Johann Christoph Köhler angegeben). Ein