Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/12

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hat hersteilen lassen. Dies hat wesentlich dazu beigetragen, seinen Ruf als des luxusbedürftigsten und verschwenderischsten Fürsten unter den Wettiner Herrschern Sachsens zu verbreiten. Dem wird aber zum mindesten die Wage gehalten von dem, was Kurfürst August (r. 1553–86), sein Sohn Kf. Christian I. (r. 1586–91) und dessen Söhne Kf. Christian II. (r. 1601–11) und Kf. Johann Georg I. (r. 1611–56) für sich, ihre Familie und ihren Hofhalt erworben haben. Wir können uns heute, wo davon nur so Weniges erhalten geblieben ist, kaum eine annähernde Vorstellung von dem Reichtum an Werken der Goldschmiedekunst machen, der damals vorhanden gewesen ist. Die in dem Sächsischen Hauptstaatsarchiv zu Dresden aufbewahrten Rechnungen und Inventare geben davon indessen noch ein einigermaßen vollständiges Bild. Sooft diese bisher auch durchforscht wurden, sie wurden doch noch nicht genügend ausgeschöpft und manches davon blieb in seiner Bedeutung unerkannt. Die mühevolle und zeitraubende Arbeit des Aufsuchens einzelner Notizen aus der Durchsicht dieser Masse von Nachrichten, von denen die meisten für uns heute nur von geringem Belang sind, mag es oft verhindert haben, das, was Bezug hat auf die noch im Grünen Gewölbe vorhandenen Stücke, herauszufinden. Mir scheint zweierlei wichtig, das aus diesen Urkunden zu entnehmen ist. Einmal das, was wir daraus über das frühe Vorhandensein und die italienische Herkunft der Bergkristallarbeiten erfahren, die zu den kunstvollsten Ziergegenständen der Ausstattung von Wohnräumen gehören, die das Grüne Gewölbe besitzt. Sodann, was daraus über die Hersteller oder Lieferanten aller der vielfältigen Schmuckstücke, die zur Ausstattung der Personen selbst verwendet wurden, Zeugnis gibt. Diese Gruppe von Werken im Grünen Gewölbe gehört ebenso zu den kostbarsten und kunstvollsten Arbeiten und ist vorwiegend deutschen Ursprungs. In der Erfindung dieser Werke haben die deutschen Goldschmiede eine unerschöpfliche Phantasie zum Ausdruck gebracht, und in ihrer Ausführung die höchste Kunstfertigkeit entwickelt, so daß in diesen Kleinodien die deutsche Goldschmiedekunst einen Gipfelpunkt erreicht hat, der vielfach an Originalität das überragt, was gleichzeitig die deutschen Silberschmiede an Kunstwerten hervorbrachten, wie hoch manches davon auch zu bewerten sein mag. Und von fast allen den Meistern dieser Werke erfahren wir in Marc Rosenbergs der Goldschmiede Merkzeichen nicht einmal den Namen, oder diesen oft nur dann, wenn dessen Inhaber gleichzeitig auch als Silberschmied tätig war. Es ist nur natürlich, wenn wir dadurch bisher nur ein