Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/124

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Um das Stück, und ebenso das zugehörige Gegenstück VI, 128, ansehnlicher und kostbarer zu machen, hat dann Köhler darunter noch einen zweiten, aus Jaspis geschnittenen Sockel gestellt und diesen durch die für ihn bezeichnende Inkrustation mit silbernen Ranken und Juwelen verziert. Allem Anschein nach hat Köhler auch schon die Büste dazu geliefert und hat von Ferbecq den kleineren Sockel für sich herstellen lassen, wie ja Köhler mehrfach auswärts angefertigte Arbeiten für sich verwendet hat.

Die drei köstlichsten unter den Nippesfigürchen des Grünen Gewölbes hat Ferbecq allein hergestellt. Von diesen auf Tafel 46 abgebildeten Figürchen hat wieder das mittelste, der lustige Koch, einen wie die andern ausgebildeten geschweiften Sockel. Dessen Vorderseite hat ein Emailgemälde mit dem Tanz von Putten um eine Faunsherme. Diese Putten und die Herme sind in steingrauer Farbe vor mattrotem Grund gemalt, sie stehen darin den bekannten Reliefmalereien des Niederländers Jakob de Wit (1695–1754) nahe, das Figürchen mit seinem Sockel mag aber schon früher entstanden sein, als dessen Gemälde. Die Anregung kann also von einem früheren niederländischen Maler ausgegangen sein. Ebenso wie der Koch sind auch die beiden anderen Figürchen, der bucklige Zwerg und der sitzende Winzer, von heiterer Laune erfüllt, es schadet auch der Originalität ihrer Erscheinung durchaus nichts, daß der erste und zweite von ihnen durch Radierungen Jacques Callots aus der Folge der Gobbi angeregt sind, das meiste dazu hat doch Ferbecq geschaffen und sich dazu für die Körper durch die Form der verwendeten monströsen Perlen bestimmen lassen. Wieviel Reiz steckt in jeder Bewegung dieser lebensprühenden Figürchen und wie prächtig sind ihre Köpfe behandelt und verschieden in Charakter und Empfindung in ihrer Augenblicksstimmung erfaßt. Sie bedeuten einen Höhepunkt in der ganzen Gattung dieser Bijoux, den auch M. Dinglinger nicht in seinem Kinderbacchanal oder in des Lebens höchsten Freuden zu überbieten vermochte. –

Ein wesentlicher, ja auch der überwiegende Teil aller Galanteriewaren bestand in den Gegenständen, die man als persönlichste Bedarfstücke bei sich trug. Ein frühestes Zeugnis dafür, wie der Luxussinn sich diese Modeartikel dienstbar machte, ist ein Kalender des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen, dessen Deckel auf Tafel 38 in der Mitte rechts abgebildet sind. Sie sind auf jeder Seite in drei von Brillanttafelsteinen eingefaßte Felder eingeteilt, ebenso ist der Rücken durch fünf Brillantreihen in vier Felder gegliedert. Hier