Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/127

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Melchiors nichts zu tun haben. Vielleicht wollte er auf diese durch seine Inschrift hinweisen. Doch darf dabei nicht vergessen werden, daß in der Werkstatt Dinglingers auch Gesellen tätig gewesen sind, so daß sich völlige Sicherheit über den tüchtigen Emailleur, der hier wie an jenem Notizbuch tätig war, leider nicht gewinnen läßt.

Dagegen hat der Hersteller des auf weißem Emailgrund bemalten Dosendeckels auf Tafel 38 unten rechts durch seine Signatur: Herold fecit uns erfreulichen Aufschluß gegeben. Die Miniaturmalerei mit ihrer von Handeltreibenden belebten Flußlandschaft in goldener, von Netzwerk durchzogener Umrahmung, die außen herum noch u. a. durch Figuren von Chinesen und kleinere umrahmte Szenen belebt ist, steht der Porzellanmalerei des 1696 geborenen und 1720 an die Meißner Manufaktur gekommenen bekannten Porzellanmalers Johann Gregor Herold überaus nahe, der 1723 mit der Leitung der Fabrik betraut wurde und ihre erste Blüteperiode an seinen Namen geknüpft hat. Auch in technischer Hinsicht besteht kein Unterschied zwischen der Malerei auf Emailgrund und der auf Porzellan. Doch aber hat man in dem Hersteller unseres Deckelgemäldes nicht den Porzellanmaler Herold erkennen wollen, sondern etwa an einen älteren Bruder von ihm gedacht, von dem sonst nichts bekannt ist. Nur in englischem Privatbesitz ist bisher ein ebenso signierter Dosendeckel nachweisbar. In der Nachbildung von Motiven nach Kupferstichen in älteren Reisebeschreibungen erinnert unser Dosendeckel an das gleiche Verfahren an zwei mit Email überzogenen Tassen aus dem Kaffeegeschirr M. Dinglingers, das allerdings schon 1701 abgeliefert wurde. Die Liebhaberei an solchen exotischen Darstellungen hat also lange angehalten.

Eine ganz andere Kunstweise lernen wir kennen an der langen Dose aus vergoldetem Silber auf Tafel 38 oben rechts. Sie gehört mit einem gleichen Gegenstück, ebenso wie die aus 21 länglichen Gliedern zusammengesetzte Gürtelkette, von der nebenan drei Glieder abgebildet sind, zu dem Inhalt eines Spielgerätkastens V, 594e, den Kaiser Joseph I., † 1711, der Kurfürstin Christiane Eberhardine, der Gemahlin Augusts des Starken, geschenkt hat. Der Kasten selbst ist mit dunkelgrünen Jaspisplatten belegt und sein Deckel mit einer Landschaft in indischer Manier aus Gold, Email und Juwelen inkrustiert. Ebenso wie hierbei durch fremdartige Zutaten dem Kasten ein besonderer Reiz zu geben gesucht wurde, so geschah es auch bei den beiden Dosen, die durch ihren Markeninhalt als Spielmarkenkästchen bestimmt