Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/129

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diese mit denen des Grünen Gewölbes nicht identifizieren. Die auf Tafel 39 abgebildeten Dosen stammen, mit Ausnahme der runden Dose oben in der Mitte, alle aus seiner Zeit. Das früheste Stück darunter ist wohl die kleine hohe achteckige Dose in der Mitte links, deren Wände auf weißem Emailgrund mit Blumen bemalt sind und die ihren Hauptschmuck durch in Zargenfassungen aufgesetzte Kameen erhalten haben. Die Kameen sind Sammelstücke verschiedenen Inhalts, die oben aufgesetzte Muschelkamee mit dem Kopf des Kaisers Friedrich IV (1415, reg. 1440–1493) ist sicher auch nur als zufällig vorhandenes Sammelobjekt daran zur Verwendung gelangt, ohne daß man dabei an irgendeine besondere Beziehung gedacht hat. Die daneben abgebildete kleine runde Dose hat ebenso Emailmalerei auf weißem Grund, obenauf die Befreiung der Andromeda in sorgfältiger Ausführung. Die beliebteste Form der Tabatièren, mag man nun die Dosen mit diesem Gattungsnamen für Schnupftabak oder Näschereien oder irgendwelche anderen Dinge verwendet haben, wurde jedoch die ovale Form, zumeist aber nicht so flach, wie die gerade auf Tafel 39 abgebildeten Dosen sind. Von diesen ist die Dose oben links oben und unten mit je einer polierten Sardonyxplatte belegt, die oben nur dadurch geschmückt wurde, daß sie mit einem schmalen Rand umgeben ist, dessen schraffierter Grund mit durchsichtig rotem Email und in Abständen mit Diamanten bedeckt ist. Der reichere Schmuck umgibt die Wand der Dose, die zwischen aufgestifteten silbernen Ranken mit Diamanten die Sardonyxkameen mit den Köpfen der ersten zwölf römischen Kaiser in Zargenfassungen enthält. Die Köpfe sind alle von derselben Hand gleichartig geschnitten und kaum viel früher als die Dose selbst entstanden. – Umgekehrt wie hier ist die reichere Ausstattung bei der noch flacheren Dose unten rechts dem Deckel zuteil geworden, den Hauptanteil hat hieran der Ziseleur. Um aber der Dose auch einen besonderen farbigen Reiz zu verleihen, ist der Deckel in abwechselnd silberne und goldene Felder gegliedert, und zwar sind vom Scharnier aus, wo um einen größeren Diamanten eine fast halbrunde Zone strahlenförmig gegliedert und am Rand mit kleineren Diamanten besetzt ist, diese Felder fächerartig in leichter Schweifung sich erweiternd über den ovalen Deckel ausgebreitet. Die goldenen Felder sind mit Bandwerk und Masken im Relief ziseliert, dagegen die silbernen Felder vertieft und mit durchbrochenen und mit Diamanten geschmückten Einlagen besetzt. Diese Felder waren sicher schon von Anfang an brüniert und so gibt