Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/13

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einseitiges Bild von der an vielen Orten in Deutschland zu hoher Blüte gelangten eigentlichen Kunst des Goldschmieds, des Juweliers und Emailleurs gewonnen hatten.

Freilich ist es bei dem übergroßen Reichtum der in den Urkunden genannten Werke dieser Art äußerst schwierig, ja oft unmöglich, ein bestimmtes Stück einem urkundlich genannten Meister zuzuweisen, über dessen Bedeutung seine vielfache Inanspruchnahme und der hohe Preis der Kostbarkeiten keinen Zweifel läßt. Besonders wird dies in den meisten Fällen dadurch verhindert, daß die Besteller und Empfänger aller der verschiedenartigen Stücke, deren Hersteller genannt sind, die Stücke selbst meist nicht für sich oder ihre Familie behalten haben, sondern sie zu Geschenken an ihre auswärtigen Verwandten benutzten und sie bei Besuchen an andere Fürstlichkeiten oder deren Vertreter weggegeben haben. Manchmal sind Stücke, die die Kurfürsten für ihre Gemahlinnen, Eltern oder Kinder erworben haben, auch noch in späteren Inventaren zu erkennen, von wo aus dann einzelne auch noch ihren Weg in das Grüne Gewölbe gefunden haben. Andere ersichtlich kostbarste Stücke sind urkundlich von auswärtigen Fürstenhöfen als Geschenke oder als Mitgift nach Dresden gelangt, wie umgekehrt. In jenen Fällen sind die Dresdner Urkunden noch meist unerschlossene Zeugnisse dafür, was in jene Residenzen gelangte und dort etwa noch vorhanden ist, oder was dort annehmbar geschaffen wurde und nach Dresden kam. Sie können das zumeist aus Zunftakten gewonnene Bild der örtlichen Entwicklung mit wesentlichen Zügen ergänzen und vervollständigen, so z. B. das, was Friedrich Sarre zur Geschichte der Berliner Goldschmiedekunst 1895 mitgeteilt hat. Bei mehreren Stücken des gleichen Motivs, die von verschiedenen Dresdner Meistern geliefert wurden, ist die Beschreibung nicht so genau, daß daraus mit voller Sicherheit auf jeden Urheber geschlossen werden kann. Das scheint aber auch nicht immer besonders belangvoll zu sein. Wichtiger dagegen ist folgendes: die in dem Grünen Gewölbe aufbewahrten Kleinodien, Ringe, Ketten und dergleichen bekunden in Erfindung und Ausführung einen sehr hohen Rang der deutschen Goldschmiedekunst, die Meister, die diese Stücke oder ähnliche ihrer Art dem Dresdner Hof geliefert haben, sind einzelne wenige, die zumeist viele Jahre lang hier in gleicher Arbeit für diesen tätig waren. Die Ansprüche, die von den Bestellern nicht nur an die Kostbarkeit, sondern nach den erhaltenen Beispielen auch an die Kunstfertigkeit gestellt wurden, waren die nach dem Geschmack ihrer Zeit denkbar höchsten.