Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/130

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dieser Wechsel der Farben und der Wechsel der Arbeit der Dose eine sehr geschmackvolle Wirkung. – Schon im 17. Jahrhundert hatte das Kunsthandwerk auch das Schildkrot zu verwenden gewußt. Es war ein beliebtes Material zur Furnierung von Möbeln geworden, wie im Grünen Gewölbe auch an einer Gruppe von Postamenten zu sehen ist, die in Boulemanier in der Ornamentik Jean Berains ausgestattet sind. Dazu kam dann seine Verwendung zu Galanteriewaren aller Art, später, noch im 19. Jahrhundert, u. a. zur Herstellung von großen Haarkämmen. Ebenso wie Bernstein und Elfenbein wurde es gern auch zu Dosen gebraucht. Während aber diese beiden Stoffe in der Regel allein dazu verarbeitet wurden, hat sich das Schildkrot auch der Goldschmied dienstbar zu machen gewußt, und zwar auf zweierlei Weise. Einmal indem in dünnen Linien die Verzierung in die Oberfläche eingeritzt und diese dann mit eingedrückten Goldfäden ausgelegt wurden, sodann indem ähnlich nur in breiterer Zeichnung Landschaften und andere Darstellungen vertieft eingestochen und diese dann mit Gold ausgelegt wurden. Daneben wurden auch in leichtem Relief goldene Ornamente und Bilddarstellungen aufgestiftet oder eingelegt. Beides nannte man Piquéarbeit. Besonders für die erste Art der linearen Verzierung besitzt das Grüne Gewölbe künstlerisch vollendete Beispiele. Die wertvollsten sind zwei kleine Deckelpokale aus Schildkrot (VI, 122 u. 129), die auf diese Art mit dem Namenszug Augusts des Starken, seinen Wappen und Orden verziert sind. Hierzu kommt, offenbar von demselben Meister ausgeführt, eine ganze Garnitur zur persönlichen Ausstattung des Fürsten: 60 Westen und 72 Rockknöpfe in fünf verschiedenen Größen, 6 verschiedene Schnallen und ein Paar Manschettenknöpfe, der Orden des Goldenen Vließes, der polnische Weiße Adlerorden und der Stern dazu, ein Degen und ein Hirschfänger, ein Krückstock, eine Reitgerte und ein Stockknopf, eine Dose und ein Notizbuch und schließlich die Kapsel zu einer goldenen Taschenuhr mit der Adresse des Londoner Uhrmachers Cabrier. Die Dose in breiterer ziselierter Goldfassung und das Notizbuch sind auf Tafel 39 unten abgebildet. Die Dose hat in einem aus solchen Goldlinien gebildeten Mittelfeld ein in gleicher Art gebildetes A, das Notizbuch ist noch an den Ecken und am Verschluß mit aufgelegten und mit Diamanten besetzten Füllhörnern verziert, in der Mitte ein herzförmiger Opal mit einem Rubin inkrustiert. Die verschiedenen Knöpfe der Garnitur waren je in der Mitte mit einem Brillanten inkrustiert. Diese Steine sind 1827 herausgebrochen und später zu