Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/131

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einem mit Brillanten bepflasterten Stern des Wettiner Hausordens verwendet, der zu Ende 1924 an den Verein Haus Wettin, A. L. E. V. bei der Auseinandersetzung mit dem früheren Königshaus abgegeben wurde. So wurde auf die roheste Weise gerade die künstlerisch vollendetste unter den Juwelengarnituren Augusts des Starken verunstaltet. Ob die in breiterer Weise mit einer Landschaft in indischer Manier mit Gold eingelegte Dose auf Tafel 34 oben rechts dieser Garnitur zugehörte, ist fraglich. Sicher aber ihr zugehörig war die goldene englische Uhr mit ihrer gewölbten Schildkrotkapsel. Diese allein ist in der geschilderten anderen Technik in Relief mit goldenem Bandwerk um ein ebenso in flachem Relief aus Gold hergestelltes Stilleben mit einem Eichkätzchen verziert. In gleicher Art ist noch auf einem goldenen Stockknopf eine Schildkrotplatte mit einer figürlichen Szene aus Gold eingelegt (VIII, 314). Für die ganze Schildkrotgarnitur wird als Hersteller schon im Inventar der Engländer P. Triquet genannt. Daß sie für August den Starken bestellt war, läßt sich schon aus dem A auf der in Gold gefaßten Dose schließen, noch klarer wird dies erhärtet durch die beiden offenbar von demselben Meister hergestellten kleinen Deckelpokale. Die Garnitur muß aber dem Fürsten nicht prunkvoll genug gewesen sein und so hat 1727 und 1728 der Hofjuwelier Johann Heinrich Köhler in seinem Auftrag von dem Hofjuden Jonas Meyer die Brillanten geliefert bekommen und sie in die schon fertige Schildkrotgarnitur versetzt.

Wie schon seine Vorfahren, so legte August der Starke auch Wert auf den Besitz kostbarer Spazierstöcke. Dazu genügten ihm nicht die Stöcke seiner Juwelengarnituren, die nur bei festlichen Gelegenheiten zugleich mit diesen in Gebrauch genommen wurden. So besitzt das Grüne Gewölbe auch noch mehrere andere Stöcke aus seinem Besitz. Davon ist auf Tafel 12 links von der Mitte ein Stock abgebildet, den er offenbar in Polen zum Geschenk erhalten hatte. Der Stock hat einen kolbenartigen Knopf aus hellbraunem Achat, unter dem zwischen zwei mit Juwelen ausgefaßten Ringen ein breiterer Goldreifen mit emaillierten Reliefranken geziert ist. Der Achatknopf ist mit goldenen Ranken inkrustiert und obenauf mit einem quadratischen Rahmen aus Brillantdicksteinen. Dieser enthält den Schild seines königlichen Vorgängers in Polen, Johann Sobiesky, reg. 1674–1696, und ist ein Zeugnis dafür, daß die Prunkliebe auch bei anderen hohen Herren verbreitet war. Der andere Stock, rechts von der Mitte, sicher für August den Starken direkt