Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/133

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ist, er hat dazu auch das Grüne Gewölbe, das bis dahin doch auch nur ein überkommenes Magazin war, durch eine Reihe von Zimmern erweitert. Wir besitzen dazu noch im Grünen Gewölbe eine Anzahl verschiedener Entwürfe, worüber ich schon im 1. Band, S. 10–20, berichtet habe. Ebenso sind im Hauptstaatsarchiv zu Dresden noch zahlreiche Entwürfe zur Ausstattung aller Zimmer des Japanischen Palais in Dresden vorhanden, in denen August der Starke seine Porzellansammlung so aufzustellen beabsichtigte, daß dadurch nicht nur deren Stücke zur besseren Besichtigung einluden, sondern zugleich auch die Räume selbst einen einheitlichen, jeweilig verschiedenen dekorativen Charakter erhielten. Genauere Angaben hierüber findet man in meinem Buch: Kabinettstücke der Meißner Porzellan-Manufaktur von Johann Joachim Kändler, Leipzig 1900, insbesondere auch über die Absicht Augusts des Starken, neben seinem Besitz chinesischer und japanischer Porzellane auch Erzeugnisse der Meißner Manufaktur darin aufzustellen. Dazu erhielt Kändler den Auftrag, zahlreiche Kabinettstücke, die gelegentlich auch Paradestücke genannt werden, eigens hierfür anzufertigen. Diese Kabinettstücke, nicht nur die großen Tierstücke, überragten sowohl bei Einzelfiguren, wie bei mehrfigurigen Darstellungen an Größe stets die sonst in der Manufaktur für den Handel hergestellten Erzeugnisse, für den sie auch nicht bestimmt waren. Noch lange nach dem Ableben Augusts des Starken, ja man kann sagen, sein Leben lang, 1706–75, hat Kändler fortgefahren, solche Kabinettstücke größeren Formates anzufertigen, zumeist im Auftrag Augusts III. und seiner Minister Sulkowsky und Brühl, später auch noch für Friedrich August den Gerechten und Marcolini sowohl für deren eigenen Bedarf, wie insbesondere für Geschenke nach auswärts und fremde fürstliche Besteller, zugleich ein Beweis dafür, wie lange gerade bei den Höchststehenden die Vorliebe für solche größeren Prunkstücke angehalten hat. Kändler war auf diese Stücke besonders stolz und er hat mit größerer Hingabe an ihnen gearbeitet, als an den vielen kleineren Stücken, die doch zur Blüte der Meißner Manufaktur das Wesentlichste beigetragen und seinen Ruhm bis in unsere Tage in aller Welt verbreitet haben. Es wurde ihm sogar von seinen Rivalen zum Vorwurf gemacht, daß er, als Friedrich der Große 1760 große Bestellungen machte und 1762 in Meißen mit Kändler selbst über weitere Bestellungen verhandelte, er habe dafür auch die Herstellung neuer Modelle angeregt. Aus den Lieferungen ist zu ersehen, daß auch Friedrich der Große noch eine besondere Vorliebe für solche größere