Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/137

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tretenden 132 Figuren in ihren farbenprächtigen Gewändern noch am ehesten den Eindruck treuer Wiedergabe indischen Hoflebens, Abbildung auf Tafel 40. Ebenso auch deren rassenmäßig unterschiedene Völkertypen, ihre jeweilige Haltung und ihr zeremonielles Gebaren. Aber schon bei den die Höfe umschließenden Hallen ist nur durch kleine tempelartige Aufbauten der Versuch gemacht, der Örtlichkeit ein gewisses Lokalkolorit zu geben, ebenso durch Einzelheiten der Ausstattung mit Buddhabildern, Drachen und anderen Fabelwesen. Auch die in dem Gebälkfries der Halle angebrachten Schriftzeichen sollen den gleichen Eindruck erwecken, diese hat indessen bisher noch kein Orientalist entziffern können. In der Aufzäumung der Elefanten, Kamele und Pferde folgt Dinglinger wohl auch noch bestimmten Vorbildern, doch in deren Ornamentierung bewahrt er europäisch stilisierte Formen, so z. B. in dem Besatz der hellblauen Schabrake des Jagdelefanten mit Blattmasken. Bei einzelnen der dem Großmogul dargebrachten Geschenke hat er sich auch ältere orientalische Vorbilder zum Muster genommen. Für das phantastisch gebildete Gestell der vorn in der Mitte hinter dem Geländer stehenden Wage, die auf Tafel 42 links besonders abgebildet ist, hat ein Kupferstich in dem Reisewerk von F. Bernier die Anregung gegeben. Dagegen entfernt er sich bei den beiden in der Ecke links aufgestellten großen Händen von dem Boden Indiens, ebenso bei den beiden Pyramiden der Sonne und des Mondes zu beiden Seiten des Thronpavillons, von denen die der Sonne auf Tafel 42 rechts abgebildet ist. Durch beide Paare will er eine Vorstellung von dem indischen Götterkult geben und er kopiert dazu Abbildungen nach Fundstücken des 17. Jhdts., über die zuerst 1624 lateinische gelehrte Abhandlungen erschienen waren. Die eine Hand, die von L. Pignorius als die des Attis, des Lieblings der Göttermutter Kybele, gedeutet wurde, hat aber dadurch nur Zusammenhang mit dem in Kleinasien entstandenen Naturkult, der in der römischen Kaiserzeit bis zu den Römern sich ausgedehnt hatte und hier in orgiastischen Festen begangen wurde. Die zweite Hand, die J. Th. Thomasinus als die im Gelübde begriffene Hand des Kekrops gedeutet hatte, des Urmenschen Attikas, der nach späterer antiker Deutung als aus Ägypten eingewandert geschildert wurde, hat noch weniger mit dem indischen Götterkult gemein. An den beiden Pyramiden der Sonne und des Mondes werden in ihren vielfachen Verzierungen noch unbedenklicher Symbole des indischen Götterkultes mit denen des antiken Griechentums und den von den griechischen Astronomen eingeführten Sternbildern