Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/14

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So kann es auch nicht ohne Wert sein, wenn wir die Namen dieser Meister und den Umfang ihrer Tätigkeit kennenlernen, die Geschichte des Kunsthandwerks wird dadurch nicht etwa mit Namen von unwesentlicher Bedeutung belastet, im Gegenteil, diese Meister gehörten zu den besten ihrer Zeit.

Hier in diesem Werk lassen sich davon nur vorläufige Ergebnisse mitteilen. Wird aber einmal, ähnlich wie es schon vor langer Zeit in den Beiheften des Jahrbuchs der Kunstsammlungen des österreichischen Kaiserhauses geschehen ist, auch über die Erwerbungen der sächsischen Kurfürsten das erhaltene Urkundenmaterial mitgeteilt und geschieht das gleiche auch für deren verwandte Fürstenhäuser, dann läßt sich auch erwarten, daß wir von den in Dresden, in Berlin, in Braunschweig, in Kopenhagen und an anderen Orten noch erhaltenen Werken der Goldschmiedekunst ihre Herkunft feststellen können und dann erst wird die reiche Entwicklung der deutschen Goldschmiedekunst in klareren Zügen uns vor Augen stehen. Einstweilen muß es genügen, aus den Urkunden die Erkenntnis erlangt zu haben, daß die große Mehrzahl jener Kostbarkeiten deutschen Ursprungs ist. Bei einigen aber muß ich bekennen, daß ich bisher keine Sicherheit im Urteil darüber erlangt habe, ob wir darin deutsche oder ausländische Arbeiten vor Augen haben. In dem gleichen Fall befinden sich noch auch einige meiner Fachgenossen, denen es vergönnt war, die Sammlungen des Auslandes daraufhin zu prüfen.

Im Lauf des 16. Jahrhunderts hat in Deutschland mit dem wachsenden Wohlstand das Luxusbedürfnis eine fortschreitende Steigerung erfahren, wie im Bürgertum der aufblühenden Städte, so auch bei dem Adel und an den Fürstenhöfen. Die vielen dagegen erlassenen Verordnungen hatten nur geringen Erfolg, richteten sie sich doch wesentlich gegen die unteren Stände, da für die höheren mannigfache Milderungen vorgesehen waren und die Mitglieder der fürstlichen Familien sich davon ausgenommen erachteten, da sie den im Schmuck gezeigten Reichtum als Ausdruck ihrer Würde ansahen. Durch ihren erzgebirgischen Silberbergbau hatten die sächsischen Fürsten höhere Einnahmen als die meisten ihrer Standesgenossen und sie konnten sich jede Ausgabe gestatten. Wir können an den „Fürstenbildnissen aus dem Hause Wettin“, die ich 1906 veröffentlicht habe (in Zukunft kurz W. B. zitiert) beobachten, wie dieser Luxus sich besonders an der Tracht der Frauen entwickelt hat. Die Töchter des Herzogs Georg des Bärtigen, Christina, 1523 vermählt mit dem Landgrafen Philipp I., dem Großmütigen, von Hessen, und Magdalena, seit 1524