Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/141

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auf der Brust eines Vogels mag man zunächst wohl als Anomalie empfinden, doch sei daran erinnert, daß z. B. der große Reiher aus Bergkristall in Wien sogar nicht zugehörige figurale Szenen auf seinem Körper aufweist. Hier aber an dem Fabeltier des Vogels Rockh darf man sich vor stellen, daß die Teufelsfigur als Schutz- und Trutzgestalt ganz natürlich mit dem Vogel selbst vereint gedacht ist. Der Vogel steht auf emailliertem Waldboden, seine Bestimmung als Ziergefäß ließ es zu, daß dieser von einem der bei Dinglinger auch für die anderen Ziergefäße üblichen emaillierten Sockel getragen wird. Doch wird hier noch an die Natur zu erinnern gesucht, indem daran zwei Eidechsen und eine Schildkröte aus Silber und mit Diamanten ausgefaßt daran herumkriechen.

Carl Justi berichtet in seinem Winckelmann, 2. Aufl. 1898, I, S. 233, als Beispiel für das Interesse Augusts des Starken für alles Technische: „Stundenlang sah er zu, wie der Goldschmied Dinglinger und der Steinschneider Hübner seine eigenen Ideen ausführten.“ Man könnte sich wohl vorstellen, daß bei diesem Stück diese drei beieinander gesessen haben. Der Wappen- und Steinschneider Christoph Hübner wird auch anderwärts als Mitarbeiter Dinglingers genannt, ich habe ihn sonst bisher in Urkunden nicht erwähnt gefunden, außer, daß 1740 seine Witwe genannt wird, die ihrem Sohn Joh. Gottfried, † 1764, der das gleiche Kunsthandwerk ausübte wie der Vater, ihr Haus übertrug. Da indessen Christoph Hübners geschnittene Steine zunächst beim Goldschmied zur Verwendung kamen, so ist es nicht auffällig, daß wir von ihm weiter keine Kunde haben. Er kann also auch hier in direkter Zusammenarbeit mit Dinglinger zu dessen Erfindung die in Stein geschnittenen Teile beigetragen haben. Anderseits ist in Betracht zu ziehen, daß Melchior Dinglinger auf dem Kupferstich seines Freundes Joh. Georg Wolffgang von 1722 nach seinem von Antoine Pesne gemalten verschollenen Bildnis ausschließlich als operis gemmati artifex bezeichnet wird. Wir haben bei den Mailänder Bergkristallarbeitern gesehen, daß vom Gemmenschneider zum Hersteller von Ziergefäßen nur ein kurzer Schritt ist. Bis auf weiteres können wir also eine volle Sicherheit über die Person des Steinschneiders an dem Vogel Rockh nicht erlangen. Nur das steht fest, daß die Gestalt in Dresden entstanden und von den hier vorhandenen Bergkristallarbeiten in Einzelheiten angeregt ist.

Die anderen in diesem Zeitraum entstandenen Kabinettstücke sind alle nur als Zierschalen mit rundem oder ovalem Sockel und hohem Schaft entwickelt. Die Schalen selbst sind zumeist aus hellgrauem Chalzedon oval geschliffen und