Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/143

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

geschnittene Bergkristallschale im Grünen Gewölbe (V, 250) vom Ende des 17. Jahrhunderts in ähnlicher Weise von einem spiralisch in der Querachse gewundenen asymmetrischen Schaft getragen wird, so daß sogar der Schwerpunkt der Schale hierdurch aus der senkrechten Achse des Aufbaues verdrängt wurde.

Während wir also am Ende dieser Entwicklung in diesen Schalen mit den Pferden doch schon einen gewissen symmetrisch gebundenen Fluß der Bewegung wahrnehmen, die auch an einer verschollenen Bacchusschale in dem darnach erhaltenen Kupferstich zu erkennen ist, war in deren Anfängen davon noch recht wenig zu verspüren. Das zeigt die Schale aus orientalischem Achat mit dem Kinderbacchanal auf ihrem goldenen, als Waldboden emaillierten Deckel auf Tafel 49 rechts. Die darauf enthaltene Inschrift bezeichnet J. M. Dinglinger als Erfinder und deren Entstehung in Dresden im Jahr 1711. Die Inschrift unterscheidet sich dadurch von der Schale mit dem ruhenden Herkules von 1713 auf Tafel 50, wo er seinem Namen als Erfinder noch hinzugefügt hat: et fecit, damit also sich auch ausdrücklich deren Ausführung zuschreibt. Doch es erscheint nicht allzu wichtig, ob Dinglinger in diesen Werken jede Einzelheit auch selbst hergestellt hat, das ist von vornherein nicht einmal anzunehmen, denn es ist ja bekannt, daß seine beiden Brüder mit ihm gearbeitet haben und daß er außerdem noch Gesellen hatte. Da wird also der Anteil des einzelnen nie genau festzustellen sein, das Wichtigere ist, alle Arbeiten sind daran so gleichmäßig und so exakt in allen Techniken der Goldschmiedekunst durchgebildet, daß sie einen einheitlichen Charakter haben, dem Melchior Dinglinger durch seine Erfindung und durch seine Leitung den Stempel seiner Kunstweise aufgeprägt hat. Wie es sich mit den seinen späteren Werken eingeordneten Zutaten von Emailgemälden, sowie Gemmen und Kameen verhält, das wird später noch zu berühren sein.

An der Zierschale mit dem Kinderbacchanal hat das aus einem bauchigen Topf sich heraus windende, mit Diamanten ausgefaßte Bandwerk des Schaftes mit seinen Verschlingungen keine bestimmte Richtung, es hat augenscheinlich nur den Zweck, zu verhüllen, wie eigentlich die Schale getragen wird. Außerdem soll es das Auge erfreuen durch das, was darin zu sehen ist. Darin ist nun unter einer emaillierten Frauenbüste die pièce de resistance der kleine Junge mit unverdecktem Rücken, den wir darin herumklettern sehen. Den Einfall, eine monströs gebildete Perle so zu verwenden, wird man mit beifälligem