Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/145

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der Tafel 9 kennen gelernt, dort fehlt ihm die elastische Kraft, die sich auf dem Rand des Deckels bei Dinglingers Schale geltend macht. Es wurde von mir auf S. 80 noch auf Ornamentstiche niederländischer Meister verwiesen, die solches Schweifwerk schon kräftiger und für sich allein entwickelt zeigen. Es wirken diese Drucke aber so, als ob die Ranken nur als Vorlagen für Gravierungen gedacht seien, die mit ihren Wölbungen und Durchschlingungen nur den Schein erwecken sollen, als ob sie sich aus der Fläche herausbewegen. Die Anfänge für solche Bildungen lassen sich noch weiter zurückverfolgen, so daß man sie wohl zu den Elementen der Ornamentik rechnen darf, die jeweilig als Ausdruck eines besonderen Empfindens wieder hervortreten und weiter entwickelt werden. So scheint auch Dinglinger darin den formalen Ausdruck seines persönlichen Empfindens gewonnen zu haben. Dieses Schweifwerk ist ihm nicht Flächenornament, schon in seinen Anfängen löst es sich von der Fläche los und es breitet sich voll selbständigen Lebens im Raum aus, ja es gewinnt für ihn gelegentlich struktive Kraft. Diese Kraft wird von ihm schließlich auch durch aufgesetzte Büsten, die sich herauszubäumen scheinen, verlebendigt (vgl. T. 56), wofür ein Anfang auch schon auf dem Deckelrand des Kinderbacchanals zu sehen ist. Man findet diese Art der Ornamentik nicht auch bei anderen gleichzeitigen Meistern. Er steht sonst auch der modischen Ornamentik seiner Zeit, die von Bérain beherrscht wurde, nicht allzu nahe, er verwendet sie ja auch gelegentlich neben anderen Motiven, so an dem 1701 fertiggestellten Kaffeezeug, doch ohne das ganze System konsequent durchzubilden. Dieses Laub- und Bandwerk ist ihm ein zu kraftloses Spiel und haftet zu sehr an der Fläche, aber er kennt ja kaum glatte Flächen. Eine Ausnahme bildet darin der goldene Jagdbecher auf Tafel 53 mit seiner glatten Eiform, der ihm darum auch nicht mit voller Sicherheit zugewiesen werden kann.

Von den Zierschalen ist die größte und am reichsten verzierte die Schale des kämpfenden Herkules auf Tafel 51. Ihr Entstehungsjahr ist durch die Zahl 1712 bezeichnet. Für die Schale selbst aus gelbbraunem Jaspis war hierbei dem Steinschneider eine etwas reichere Betätigung überlassen, sie ist nicht wie die andern nur glatt geschliffen, sondern gemuschelt und gerippt geschnitten mit einem über dem Wirbel nach vorn gekehrten Drachenkopf, dessen Schwanz in Relief auch noch vorn unter der Schale zu sehen ist. Sie scheint auch nach Dinglingers Erfindung in Dresden entstanden zu sein. Auch dem Emailmaler sind Aufgaben zugefallen. Die Taten des Herkules sind nicht nur am Sockel,