Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/149

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beschäftigt und wird als Verfertiger der vier ausgezeichnet in Elfenbein geschnitzten „Bettler der Gräfin Königsmark“ genannt (VI, 172 u. 173). Peter der Große hat ihn am Tag nach dem Besuch bei Dinglinger in seiner Wohnung 1711 aufgesucht, also muß Krüger damals schon ein geschätzter Meister wesen sein. Neben ihm sind schon frühzeitig seine Söhne Wilhelm und Ephraim Krüger tätig, diese liefern schon 1714 zwei Stockknöpfe aus Bernstein, davon der eine eingelegt mit dem in Elfenbein geschnitzten Bildnis Augusts d. St., der andere mit seinem Monogramm. Es bleibt darum zweifelhaft, ob nicht auch der Sohn für solche Figürchen in Betracht kommt, der 1733 als „Hof-Bernstein- und -Elfenbeinarbeiter um seines bisher erwiesenen Fleißes und Geschicklichkeit willen fernerweit in Dienste“ genommene Wilhelm Krüger d. j., dessen Bruder Ephraim arbeitete daneben auch in Schildkrot, wie schon der Vater, so vermutlich die große Schildkrotschale mit Piquéarbeit in den Händen des großen Mohren mit der Smaragddruse von M. Dinglinger (VIII, 303).

Ein ganz ähnliches Figürchen wie auf der Dianaschale sehen wir über einer Zierschale thronen, die fast den Eindruck macht, als sei sie im Wettbewerb mit der Dianaschale Dinglingers entstanden. Es ist die Venusschale auf Tafel 52 von Gottfried Döring, demselben Meister, der 1714 die golden emaillierte, mit Smaragden und Diamanten besetzte Eule (VI, 17) für 1200 Tlr. geliefert hat. Es ist doch wahrscheinlich, daß ein Goldschmied, wie dieser, von dem nicht noch ausdrücklich bezeugt ist, daß er auch in der Bearbeitung anderer Stoffe bewandert war, die so hergestellten Bedarfsstücke von der Hand berufsmäßiger Meister hat ausführen lassen. Als Schale hat der Goldschmied hier eine in chinesischer Reliefschnitzerei mit Weinlaub und Insekten schon fertiggeschnitzte halbe Nautilusmuschel übernommen. Seine Arbeit bestand also darin, hierzu ihre Fassung und einen geeigneten Schaft herzustellen. Er hat dabei dem Sockel und Schaft eine bemerkenswerte Höhenentwicklung gegeben, die außerdem erheblich von den sonst für solche Ziergefäße gebräuchlichen Formen abweicht. Das Motiv kraftvollen Emporstrebens kommt schon an dem geschweift in architektonischen Formen verjüngt rechteckig ansteigenden Sockel, unterstützt von den seitlichen Voluten, glänzend zum Ausdruck. Prächtig ziselierte Masken und Festons geben dem Sockel reiches plastisches Leben. Das Tragen der Schale übernimmt dann ein von zwei Faunsknaben umspielter Satyr, eine ebenso lebendig dargestellte Gruppe, man wird