Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/152

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erster Linie das zu Ende 1720 erfolgte Ableben seines Bruders, des Emailmalers Georg Friedrich Dinglinger, die Veranlassung gewesen sein, denn einzelne größere Emailmalereien sehen wir gerade an Melchiors letzten Werken, ebenso stets auch Emaillierungen, darunter auch solche en ronde bosse. Er hat also geeigneten Ersatz für seinen Bruder gefunden. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Dinglinger schon von Jugend auf in der Technik des Edelsteinschnitts bewandert war. Gehörte ja ohnehin schon das Siegelstechen und Wappensteinschneiden zu der Berufstätigkeit des Goldschmieds, als Sohn eines Messerschmieds war er auch im Eisenschneiden erfahren, und so lag es dem vielseitig veranlagten jungen Gesellen sicher auch nahe, über diese Anfänge hinaus sich auch noch an härteren Steinarten zu erproben. Wir brauchen uns nur des Beispiels des Breslauer Goldschmiedegesellen Daniel Vogt zu erinnern, um diesen Weg der Entwicklung auch bei Melchior Dinglinger vorauszusetzen. Ja in Biberach selbst muß diese Technik ununterbrochen geübt worden sein, ist doch dort ebenso der Edelsteinschneider Lorenz Natter gebürtig (1705–1763), der gerade im Kameenschnitt im Ausland die größten Erfolge erzielte und über diesen 1754 auch eine Abhandlung erscheinen ließ.

Für die Verwendung von Gemmen und Kameen bei den kleineren wie den größeren Werken des Grünen Gewölbes ist in erster Linie anregend und fördernd gewesen die Sammlervorliebe Augusts des Starken und es ist nur natürlich, wenn die Dresdner Goldschmiede ihr Rechnung trugen. Während des ganzen 17. Jahrhunderts scheinen diesem Gebiet des Sammelwesens die sächsischen Kurfürsten nur geringes Interesse zugewendet zu haben, und für August den Starken habe ich erst von 1715 ab urkundliche Zeugnisse dafür finden können, daß er in Stein geschnittene Bildnisse erworben hat. Darin wird ein Geh. Rat Freiherr Johann Georg von Rechenberg als Verkäufer von geschnittenen Steinen an den Kurfürsten aufgeführt, daneben auch von Gemälden und Tabatièren, die von diesem damals zahlreich erworben wurden. Jener war wohl selbst Sammler, vielleicht zugleich auch „marchand-amateur“, oder nur als Kenner mit Ankäufen beauftragt. Er lieferte schon 1714 eine antike boite von Herzog Georgen, sodann in Leipzig auf der Herbstmesse 1715 u. a. einen großen in Jaspis geschnittenen antiken Kopf und zwei frei geschnittene seltene orientalische Jaspisköpfe, sowie zwei im Juni erworbene, in Jaspis geschnittene Kaiserköpfe. Sodann erhielt er zu Leipzig 1716 zur Frühjahrsmesse eine vom 8. Dezember 1715 datierte Rechnung über 1500 Taler bezahlt. Darin ist aufgezählt