Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/163

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Charakter der Kunst Melchiors, während jene seinem Bruder Georg Friedrich Dinglinger zuzuweisen ist. Es ist darum einleuchtend, daß an dieser Vase sich Melchior auch als Emailmaler betätigt hat, nachdem inzwischen sein Bruder Georg Friedrich am 24. Dezember 1720 verstorben war.

Nach der Ablieferung dieses Kabinettstückes im Jahr 1722 scheint ein Zeitraum von mehreren Jahren verstrichen zu sein, bis Melchior Dinglinger wieder eine größere, zur Aufstellung im Grünen Gewölbe bestimmte Arbeit vollenden konnte. Dann wurde es aber gleich eine Gruppe von drei Kabinettstücken, die er im Jahr 1728 fertig hatte. Diese drei Stücke stehen sowohl inhaltlich wie in ihrer formalen Gestaltung miteinander in engem Zusammenhang. Dinglinger hat dazu eine Erklärung und Beschreibung niedergeschrieben, die noch im Grünen Gewölbe verwahrt wird und die in der Zeitschrift für Museologie 1879, Nr. 22 und 23, abgedruckt ist. Darnach sollen die drei großen, Sonnenmonstranz-ähnlich aufgebauten Kabinettstücke den Ursprung, den höchsten Grad und die Folgen der menschlichen Fröhlichkeit oder das Ende des Lebens versinnlichen. Das mittlere Stück ist das Hauptstück der Gruppe, es unterscheidet sich von den beiden anderen zunächst dadurch, daß es größer und ungleich reicher als jene mit Juwelen und emaillierten Verzierungen ausgestattet ist. Sodann trägt dieses Kabinettstück als Mittelstück des ganzen Aufbaues eine durch ihre Größe schon bemerkenswerte Sardonyxplatte, die queroval als Kameo den in Relief geschnittenen Triumphzug des Bacchus enthält, wobei sich die Gestalten in der karneolartigen Färbung der oberen Schicht des Steins von der grauen Chalzedonschicht des Untergrundes wirkungsvoll abheben. In den Abbildungen der Vorderseite auf Tafel 56 und der Rückseite auf Tafel 57 ist gerade dieses Stück kleiner aufgenommen, als die beiden anderen, auf den Tafeln 55 und 58 abgebildeten Kabinettstücke. Diese beiden anderen Stücke haben an der gleichen Stelle anstatt eines Kameo nur zwei gleichartige graue, fleckig gemusterte polierte Achatplatten, auf die die Figuren der Darstellung, aus mattfarbigem Kalkstein geschnitten, aufgelegt sind. Ferner haben ihre niedrigeren Kalkstein-Sockel einfachere Gestalt und die im übrigen gleichartig komponierte Einfassung des Rahmens der Reliefs, sowie der Sockel ist mit ovalen Gemmen ausgestattet, wogegen das größere Kabinettstück an deren Stelle mit polierten Moosachat- oder Mokkasteinen besetzt ist, die lediglich durch den Reiz dieser dunkler und heller gezeichneten hellbraunen Chalzedonarten das Auge erfreuen sollen. August der Starke war schon 1722 von Dinglinger