Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/168

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Vase darauf einen Hinweis erblicken; diese zeigt Apoll und Kupido. Deren hier abgebildete Vorderseite mit dem jugendlichen Bacchus steht mit dem gesamten Inhalt der Figuren und Symbole des Stückes in engerem Zusammenhang. Wie die auf den Voluten des Sockels sitzenden Gestalten als die des Bacchus und der Ceres zu erkennen sind, so sind auch die auf den Achatgemmen eingeschnittenen Figurenszenen ausschließlich diesen beiden Gottheiten gewidmet, ebenso auch die Embleme und Symbole der Umrahmung des Reliefs. Und die Komposition dieses selbst zerfällt ebenso in zwei Gruppen, die eine ein Bacchusopfer, die andere ein solches der Ceres, einzelnes davon zwar reizvoll, doch als Ganzes zu leer und in keinem Verhältnis zu dem Aufwand des Aufbaues.

Das gleiche gilt auch für das Relief vom Ende des Lebens auf Tafel 58, dessen Szene mit Charon am Ufer des Acheron von einer Abbildung der Beschreibung der Antike von Montfaucon (1719–1722) abhängig ist. Sonst aber stehen auch hier die Szenen auf den Gemmen in gutem Einklang mit den Sockelfiguren des Pluto und der Proserpina. Diese Gemmen auf beiden Kabinettstücken, unten die größeren aus gelbem Opal, alle übrigen aus Achat, sind offenbar alle erst für deren Ausstattung angefertigt worden und lassen alle die gleiche Hand erkennen. Ich halte sie, ebenso wie die Sockelfiguren, für Arbeiten Melchior Dinglingers.

Das letzte und größte der Kabinettstücke Dinglingers, der sog. Tempel des Apis auf Tafel 59, ist wieder ebenso wie der Obeliscus Augustalis ganz in architektonischen Formen aufgebaut und folgt in seiner altarähnlichen Gestaltung, in den schräg vorgezogenen Eckpfeilern und dem geschwungenen Giebelgesims der herrschenden europäischen Barockarchitektur. Das Werk ist angeregt durch die ägyptischen Naos, Tabernakel, die zur Aufnahme des Gottes oder Toten bestimmt waren, auch Kapellen oder Schreine genannt. Der Giebel wird wirkungsvoll durchbrochen von dem geschweift ansteigenden Sockel des den ganzen Bau krönenden Obelisken. Dieser ist bis zur Spitze mit geätzten und geschwärzten Hieroglyphen bedeckt und wird als eine Nachahmung des vor San Giovanni in Laterano in Rom aufgerichteten Obelisken erklärt, den ursprünglich König Tuthmosis von Ägypten für seine Hauptstadt Theben bestimmt hatte. Obenauf sitzt ein von den alten Ägyptern für heilig gehaltener Ibisvogel, das Symbol des Thoth, des Gottes der Weisheit und aller Erkenntnis. Ebenso sind die silbervergoldeten Platten, die sowohl den Unterbau wie