Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/169

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auch den Hauptbau allenthalben bedecken, über und über mit Inschriften und Darstellungen des ägyptischen Götterglaubens geätzt, dazu die Felder des Unterbaues mit ganzen Figurenszenen in rot gefärbtem Hintergrund, eine überaus mühevolle und nutzlos angewandte Arbeit. Dasselbe gilt ja leider für das ganze Werk. Dinglinger hat sich damit durch die Sammler- und gelehrten Interessen seines Herrn auf ein Gebiet drängen lassen, das für eine schöpferische künstlerische Darstellung völlig ungeeignet war und ist. In dem Streben nach archäologischer Richtigkeit hat er sich seiner eigenen Kunstsprache entäußert und in diesen Darstellungen eine ihm völlig fremde angenommen. Er ließ sich darin leiten durch die zu seiner Zeit gültigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, deren Abbildungen er mehr oder weniger abhängig kopiert, wie in den geätzten Bildern und Inschriften, ebenso auch in der Reliefszene der großen geschnittenen Sardonyxplatte, die das Hauptfeld des Aufbaues einnimmt, sodann darüber in der runden Emailmalerei und in den vielen anderen vollrund, teils in Kalkstein, teils in Achaten geschnittenen Figuren, desgleichen auch in den emaillierten flachen Reliefgestalten, mit denen in Nischen der Gebälkfries und die Vorderwand der Eckpfeiler besetzt ist. Die Hauptquelle, aus der er schöpfte, war hierfür das zu Paris 1719 und 1722 erschienene Werk von Bernard de Montfaucon, l’antiquité expliquée et representée en figures. Am erfreulichsten ist noch die Gruppe in der Nische unter der großen Sardonyxplatte, hierin ist er selbständiger. In der Nische wird auf einem Kahn an Stelle des alten, in das geheiligte Totenreich eingegangenen Apisstieres ein neuer lebender Stier unter einem kostbaren Baldachin in den Tempel gefahren. In diesem aus braunem Holz geschnitzten Tier konnte Dinglinger seine Lust und Begabung zu natürlichen figuralen Darstellungen, ungehemmt durch gelehrte Erwägungen betätigen. Seinem vielfach an den Ausstattungen der Ziergefäße bekundeten Hang zu kostbarer Juwelierarbeit folgt er daneben, abgesehen von den einzelnen kleineren Juwelenschmuckstücken, die zwischen den großen Bildern eingeordnet sind, in den Personifikationen des Nilflusses durch die beiden den Kahn flankierenden, vollständig mit Brillanten ausgefaßten Krokodile.

In der auf einer silbervergoldeten Platte links unter dem Sockelgesims des Obelisken gravierten Widmung versichert Dinglinger in lateinischer Sprache, daß er keine Mühen und Kosten gespart habe, um diese treue Darstellung des ägyptischen Gotteskultus zustand zu bringen und auf der gleichen Platte