Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/20

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Nach Heinrich Hoffmanns Rückkehr nach Nürnberg 1563 erfahren wir über ein Jahrzehnt lang nichts darüber, wer diesen Meister in Dresden in der Herstellung von Kleinodien und Goldarbeiten ersetzt haben kann. Joachim Wimmer, den wir im Januar 1574 zuletzt erwähnt fanden, war in dieser Zeit anscheinend der einzige Hofgoldschmied und ist vermutlich noch in diesem Jahr verstorben. Denn am 1. Februar 1575 wurde vom Kurfürsten Hieronymus Kramer als Jubilirer bestallt und sollte als solcher auch Geschmeide kaufen und schätzen, damit der Kurfürst nicht durch solches Kaufmannsgut übervorteilt werde. Er kam aus Recklinghausen ins Erzstift Köln, wo er aber seine Kunst erlernt hatte, war bisher nicht zu ermitteln. Jedenfalls mußte er sich zuvor schon das volle Vertrauen von Kf. August erworben, ja er mußte auch besonders in der Beurteilung von Edelsteinen und über deren schwankende Preisbildung im In- und Ausland hinreichende Erfahrungen gesammelt haben. Denn im Auftrag des Kurfürsten machte er 1577 eine Reise nach Lissabon und brachte von dort für 2200 Dukaten Juwelen mit, außerdem zur Kunstkammer zwei Bilder indianischer Bäume und Vögel. Lissabon war damals noch eine der ersten Städte des Welthandels, es erhielt aus erster Hand die aus Indien und Brasilien eingeführten geschliffenen und ungeschliffenen Edelsteine. Portugiesische Juden waren die Hauptträger des Edelsteinhandels. Von Lissabon aus hatten sie sich auch in Antwerpen niedergelassen und dort neben ihrem Handel auch den Edelsteinschliff eingeführt. Doch Antwerpen war 1576 durch die Spanier geplündert worden und die portugiesischen Juden übertrugen ihren Handel und ihre Industrie nach Amsterdam. Im Jahr 1577 war also der Einkauf in Lissabon den unsicheren Zuständen in den Niederlanden vorzuziehen. Doch scheint dies nicht der einzige Grund für die Sendung Kramers nach Lissabon gewesen zu sein. Er mußte doch wohl die Kenntnis von Land und Leuten mitgebracht haben. Die spanische Mode in Tracht und Schmuck beherrschte damals die Welt. Deutsche Goldschmiede mußten also in ihren Wanderjahren nicht nur in Italien und Frankreich, sondern auch in Spanien sich fortzubilden suchen. Lissabon aber besaß daneben eine uralte blühende Schmuckindustrie, die auch den spanischen Markt versorgte. Ein deutscher Goldschmiedsgeselle, der in spanischen Werkstätten gearbeitet hatte, konnte sehr wohl auch noch bis Lissabon gewandert sein und dort alle Verhältnisse der Industrie und des Handels kennengelernt haben. Das scheint mir der Fall des Hieronymus Kramer gewesen zu sein und dazu geführt zu haben, daß bei seiner