Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/24

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auf zwei Kupferstichen des 1546 verstorbenen Nürnberger Bildschnitzers Peter Flötner sehen können, denen der Anhänger mit eingefügtem Kirschkern im Grünen Gewölbe stilistisch so nahe steht, daß wir hierbei gleichfalls an einen Entwurf Flötners denken dürfen (Tafel 2, 6). Erst in den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts, zweifellos für Kurfürst August und seine Gattin Anna sind die beiden Kleinodien mit den in Demanttafelsteinen ausgefaßten Initialen A ihres Namens entstanden (Tafel 1, 1 u. 2). Beide stammen ersichtlich von einer und derselben Meisterhand, allzu reiches plastisches Rankenwerk beeinträchtigt etwas bei dem mit doppeltem A ausgestatteten Kleinod die Klarheit der Linienführung, auch hat das einfache A mit der edlen Symmetrie der in vornehmer Haltung sitzenden Genien höheren künstlerischen Rang. Hier ragt auch das A mehr aus dem Grund heraus und unterscheidet sich von dem doppelten A dadurch, daß die sichtbaren Wände der Steinfassung mit Email bedeckt sind, ein an den Kastenfassungen der Steine beliebtes Verzierungsmittel der Renaissance. Beide Stücke gehören zu den wertvollsten Erzeugnissen der Goldschmiedekunst, um so mehr bedaure ich, daß eine urkundliche Nachricht über ihren Urheber bisher nicht zu finden war. Das wäre besonders wertvoll, da nach meiner Überzeugung wir es mit deutschen Erzeugnissen zu tun haben. Der Eindruck ihrer vollendeten Kunstfertigkeit wird noch gesteigert, wenn wir die Rückseite des mit einfachem A ausgestatteten Kleinods ansehen (Taf. 3, 3). Bei dem andern Kleinod ist die Deckplatte der Rückseite leider nicht mehr vorhanden. Jene ist verziert mit ausgestochenem Groteskenornament, wie es in Nürnberg schon von Peter Flötner 1546 vollkommen ausgebildet, darauf, mit Schweifwerk vermischt, von Etienne Delaune fortgebildet und von flämischen Kupferstechern noch weiter entwickelt worden war. Hier zeigt sich entgegen der prunkvoll gedrängten Plastik der Vorderseite in aufgelockerter Komposition die zarteste Belebung der Fläche und die glücklichste Einordnung der meisterhaft gravierten Motive in den bewegten Rahmen. Beide Seiten zusammen bekunden die vielseitigste Begabung ihres Meisters, die reichste Formenphantasie und höchste technische Fertigkeit. Bei unserem Anhänger ist das Linienspiel der Groteske erfüllt von künstlerischster Empfindung, in zartester Grazie durchgebildet und mit eingefügten Figuren belebt. Die Ornamente erhalten ihren höchsten Reiz durch die Farbe des darein gefüllten durchsichtigen Emails, das sie bedeckt, wobei die gravierte Körperbildung der Gestalten unter glashellem Email sichtbar wird. Der Preis für beide Stücke mit ihren Demanttafelsteinen,