Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/268

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1. Oben links: Schmuckkästchen aus Achatplatten in vergoldeter Silberfassung, an den Ecken auf je einer Panthertatze ruhend, aus der der Körper eines Panthers herauswächst; diese haben blau emaillierte Brustschilde und sind mit Rubinen, Diamanten und Opalen besetzt, auf den Platten sind durchbrochene zum Teil emaillierte und mit Opalen besetzte Goldranken aufgelegt, in deren Mitte Kameen sitzen. Auf der Deckelplatte zwischen Ranken und vier erhabenen Kinderköpfchen ein mit Opalen und Rubinen ausgefaßter emaillierter Salamander. Aus dem Nachlaß des Herzogs Heinrich zu S.-Merseburg 1738 nach Dresden gekommen. Art des Dresdner Hofgoldschmieds Johann Heinrich Köhler. (H. 8 – VI. 9.)


2. Oben rechts: Goldenes Reliquienkästchen mit walmdachartigem Deckel aus Bergkristall , die Wände mit Platten aus Bergkristall besetzt, darauf von hinten vertieft eingeschnitten acht Szenen aus der Passion Christi, die unteren mit je einer polierten Stahlplatte hinterlegt, die oberen über einer polierten Stahlplatte errichtet und die größeren in Scharnieren hängend. Die Kristallplatten enthalten folgende Szenen: An den Wänden vorn: Kreuzigung, hinten Kreuztragung, rechts Nagelung, links Grablegung. Am Deckel vorn: Auferstehung, hinten Himmelfahrt, rechts Emmaus, links die drei Marien. Das goldene Kästchen ist um die Platten herum mit goldenen emaillierten bunten Ranken belegt, in denen Szenen aus der Passion und Leidenswerkzeuge in emailliertem Relief dazwischen gefügt sind. Den vier Ecken sind Säulen aus schwarzem Glas vorgesetzt, auf denen die goldenen und emaillierten Statuen der vier Evangelisten stehen. – Auf der vorderen Kristallplatte des Deckels mit der Auferstehung Christi ist die Sarkophagplatte mit der Künstlersignatur D. Vogt F eingraviert. Auf der hinteren Kristallplatte des Deckels mit der Himmelfahrt Christi steht links unten die Signatur D Vogt F Paris und auf der Platte in der vorderen Wand des Kästchens steht unten eingraviert Daniel Vogt F. Wratislaviae. Demnach sind die Platten zum Teil in Paris und zum Teil in Breslau angefertigt und zwar vor und nach 1660. – Vogt ist in Breslau 1624 im November geboren, hat dort die Lehrzeit als Goldschmied bestanden und noch vier Jahre als Geselle gelebt, ist dann in verschiedenen Ländern gewandert und hat im Ausland das „petschier und stein-, wappen- und eisenschneiden, possiren und andere dergleichen Künste erlernet, mit ruhm geübt.“ Darauf kam er 1660 nach Breslau zurück und lebte dort vier Jahre lang als „freier Handwerker“. Der Rat verlieh ihm am 28. 1. 1666 gegen Bedenken der Zunft Meister- und Bürgerrecht nach Vorweisung eines Meisterstücks und er wurde noch im selben Jahr Zunftältester. Er starb 1674. Aus diesen urkundlichen Nachrichten darf wohl entnommen werden, daß die eigenartige etwas bunte Emailarbeit gleichfalls von Vogt herrührt. Er hat auch gegossene und geprägte Medaillen hergestellt, ferner einen Smaragdkameo des Kaisers Leopold I. um 1660 in Wien. (H. 9,5 bis VI. 8 a.)


3. Unten links: Becher aus Bergkristall , in Vierpaßform kelchförmig erweitert mit eingeschliffenen Ornamenten in vier Zonen, davon die unteren drei in Olivenschliff, die oberste am Mundrand mit Festons und Fruchtbündeln eingeschnitten. Der niedere runde Sockel hat über dem Kristallknauf einen zweiten aus emailliertem Gold, wie die Galeere auf Tafel 21. Mailänder Arbeit. Ende 16. Jhdts. (H. 15 – V. 337.)


4. Unten mitte: Eine vierkantige Teebüchse aus sechs Bergkristallplatten mit eingeschnittener Grotesken-Dekoration zusammengefügt, in schmaler goldener mit Email verzierter Fassung, mit goldenem emaillierten Deckel über dem in der Mitte der Deckplatte aufgesetzten zylindrischen hohlen Aufsatz. Mailand. Ende 16. Jhdts. (H. 16 – V. 277.)


5. Unten rechts: Kleines Trinkgefäß in Kelchform auf Fuß aus Bergkristall , in polierter goldener mit durchsichtig emaillierten Ranken und Blumen bedeckter Fassung des Mundrandes und des Knaufs, während der goldene Rand des runden Kristallfußes in undurchsichtigem Email mit blaßroten Blüten und grünen Blättern im Relief verziert ist. Italienisch oder deutsch. 16. Jhdt. (H. 12 – V. 335.)