Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/27

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die nächste Beziehung auf August und Anna bekunden, läßt also wohl den Schluß zu, daß der zur Herstellung von Kleinodien für diese bis 1563 beanspruchte Nürnberger Meister Heinrich Hoffmann ihr Urheber gewesen ist.

Das Kunsthandwerk der Renaissance mit ihrer vielfältigen Verfeinerung in Erfindung und Technik hat in Deutschland seine erste Blüte in Nürnberg und Augsburg. Von hier aus verbreitete sich die Entwicklung in alle größeren Städte und insbesondere die fürstlichen Residenzstädte. Die Stilistik unserer beiden Dresdner Kleinode steht mit der Nürnberger Kunst ihrer Zeit in engem Zusammenhang. Die etwas überladenen Vorderseiten erinnern an die Entwürfe des Matthias Zündt, die Groteske auf der einen Rückseite hatte für Deutschland ihr frühestes Beispiel, wie schon erwähnt, in Nürnberg. Aber auch die Maureske der Rückseite der nach Polen gelangten Wiederholung hatte dort ihre künstlerisch vollkommenste Ausbildung gefunden. Wiederum war der dort 1546 verstorbene Peter Flötner ihr erster und vorbildlicher Meister. Mit besonderer Feinfühligkeit hat sie dann der Nürnberger Nachfolger seiner Kunstweise, Virgil Solis (1514–1562), weiter ausgebildet und in Entwürfen verbreitet. Darunter sind gerade auch Kleinode mit ornamentalen und figuralen Motiven, wie sie jetzt hier in Dresden Mode wurden, und manches Motiv davon läßt erkennen, daß der Hersteller der Dresdner Schmuckstücke davon beeinflußt wurde. Daneben mag er auch die Entwürfe des Emigranten Etienne Delaune (1518–83) gekannt haben, die dieser von Straßburg und Augsburg aus in Deutschland verbreitete. Das lehrt auch bei beiden Meistern die Verzierung der flachen Rückseiten mit Mauresken, wobei offenbar an deren Ausführung in Email gedacht ist. Und ein derartiges Kleinod mit emaillierter Maureske auf der Rückseite ist auch noch im Grünen Gewölbe erhalten, die Vorderseite abgebildet T. 1, 3, die Rückseite T. 3, 1. Das Stück steht den beiden Anhängern mit A stilistisch so nahe, daß es demselben Urheber wie jene zuzuweisen ist.

Nun war gerade die Emailtechnik auch schon frühzeitig in Nürnberg zu besonderer Blüte gelangt. Als ein Zeugnis ihrer sauberen und geschmackvollen Ausführung bieten sich die in durchsichtigem Email ausgeführten Blumenranken des für die Brüder Pfinzing 1534 und 1536 von Melchior Baier in Nürnberg hergestellten Goldpokals im Germanischen Museum dar. Der Nürnberger Schreib- und Rechenmeister Johann Neudörfer nennt in seinen „Nachrichten von Künstlern und Werkleuten daselbst aus dem Jahre 1547“ als im „Schmelzen“, d. i. in der Herstellung von Schmelzwerk oder dem „gamalieren“ den