Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/28

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Virgil Solis „also frei und künstlich, daß ich nicht weiß, ob darin seinesgleichen gefunden wird“. Ein ähnliches Lob gibt er dem schon 1532 verstorbenen Ludwig Krug, den Brüdern Veit und Augustin Hirschvogel, den Brüdern Wenzel und Albrecht Jamnitzer, sowie seinem Verwandten Jacob Hoffmann. Jedenfalls also läßt die Vorstellung höchster stilistischer Vollkommenheit, die wir aus den von Nürnberg ausgegangenen Vorlagen für solche in Gravierung und Email auszuführenden Flächenmuster gewinnen, und das Lob unübertrefflicher technischer Vollendung, das Neudörfer seinen Mitbürgern ausstellt, uns in diesen beiden emaillierten Rückseiten der Kleinode (T. 3, 1 u. 3) Zeugnisse dessen erblicken, was im gleichen Stil als Frucht der Nürnberger Kunstblüte tatsächlich zur Reife gelangte, mag es auch fern von der Heimat unter der Sonne fürstlicher Luxusfreude gediehen sein. Das Kleinod T. 1, 3 hat noch eine besonders charakteristische Form und Zierde. Die aus Rubinen und Smaragden gebildete Steinrosette in hohen und an den Seitenwänden emaillierten Kastenfassungen wie bei dem Anhänger T. 1, 2 und von ähnlich dichtem Rankenwerk umrahmt wie dort, klingt aus in ein Schweifstück, das wiederum mit einem figuralen Motiv flankiert wird. Ganz das gleiche Gerüst hat ein von Virgil Solis verbreiteter Entwurf, ein Grund mehr für die Zuweisung der drei Dresdner Schmuckstücke an den aus Nürnberg stammenden Meister Heinrich Hoffmann. Bei Solis werden die Ranken von zwei Kinderpaaren belebt. Hier sind neben einem tropfenförmig geschliffenen Demanten zwei seitlich über einem Rubintafelstein sitzende Windhunde hinzugekommen, die durch ihre nach oben gerichtete Kopfdrehung den Blick auf den Hauptjuwelenschmuck hinlenken. Diese dürren Hunde, denen die Rippen durch die Haut scheinen, haben ganz verwandte Rassegenossen in gleicher Haltung an der sog. Orpheusuhr des Grünen Gewölbes auf Tafel 13, (wie auch der Kristallpokal in Goldfassung auf Tafel 14 technisch und stilistisch die gleiche Hand und Erfindung erkennen läßt). Auch von jenem Stück ist wie von dem Anhänger mit A ein Doppelgänger vorhanden, und zwar im kunsthistorischen Museum in Wien.

Wir haben jedenfalls die Entstehungszeit unserer drei Kleinode und der stilistisch zu ihnen gehörigen Ziergefäße und Geräte nicht gegen das Ende, sondern näher gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts anzusetzen. Sie sind uns Zeugnisse einer Blüte des Kunsthandwerks, denen im Grünen Gewölbe nur ganz wenige Stücke gleichen Ranges nachfolgten, bei denen auch noch an den gleichen