Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/33

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Öffnung ließ ihn wohl nur über dem Handschuh tragen. Das Stück wurde erst 1624 vom Kurfürsten Johann Georg I. angekauft. – Ein unbestimmbares, eigenartiges Stück ist der emaillierte Ring, der eine von einer Rundmauer mit vier Türmen eingeschlossene italienische Renaissancevilla umfaßt, die mit Demanttafelsteinen geschmückt ist auf Tafel 2, 6. Erst 1660 kam es durch Kurfürst Johann Georg II. zur Schatzkammer, der wohl nur durch seine Absonderlichkeit zu der Erwerbung veranlaßt wurde. Allerdings nennt 1727 Joh. Casp. Neickel in seiner Museographie S. 423 unter den Kunstsachen, die er in einem Museum als ausstellungswert bezeichnet „Z. E. einen Ring mit einem künstlichen Schloß und Thürmen von Edelsteinen und dergleichen“. – Von ebenso unbestimmbarer Herkunft ist der Ring Tafel 1, 7, dessen Kopf eine Kapsel bildet mit einem Kompaß und einer Sonnenuhr. Die Kapsel hat einen Kristalldeckel, der mit einem Totenkopf auf rotem Grund hintermalt ist. Dessen Beischrift Mori–cogita: gedenke, daß du sterben mußt, und dazwischen die Jahreszahl 1538 steht im Einklang mit der Technik der Malerei und der Form des Ringes. Unter dem Boden des Kastens ist ein L mit einer Krone darüber eingraviert und darunter: d. M. Man hat diese Inschrift auf Dr. Martin Luther deuten wollen, doch läßt dies weder die Krone, noch die ungewöhnliche Anordnung der Schriftzeichen zu. Nun hat der Rand des Kastens außen noch die eingravierte Inschrift: Ero mors tua, o mors: Tod, ich werde Dein Tod sein. Diese Inschrift läßt sich nicht durch den Kompaß und die Sonnenuhr erklären, die nur als damals beliebte technische Spielerei eine Zugabe bilden. Vielmehr glaube ich in dem Ring einen sog. Giftring erblicken zu sollen, wie sie früher nicht selten waren. Die Furcht vor Vergiftung war in früheren Jahrhunderten ziemlich verbreitet. Noch beim Tod des Prinzen Eugen von Savoyen ging das Gerücht um, er sei vergiftet worden. Man glaubte damals noch an Gefäße aus bestimmten Steinsorten, die das Gift erkennen ließen oder unschädlich machten und man hoffte auf die Wirkung von Gegengiften. Darauf scheint mir die Randinschrift hinzudeuten und der Ring als Geschenk eines befreundeten Fürsten hierher gelangt zu sein. (Mantua?) – In der Sammlung von Ringen des Grünen Gewölbes befindet sich noch eine größere Anzahl von solchen, die nicht so sehr durch ihre Fassung, als durch die Schönheit und Seltenheit ihrer Steine ausgezeichnet sind, deren Entstehung vom 16. bis in das 18. Jahrhundert reicht, mit farbigen Brillanten, Smaragden und Opalen, die von Steinkennern stets besonders beachtet und geschätzt werden. Von geschichtlichem Interesse