Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/42

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Gericht. Sodann zehn Halsbänder, sieben Ketten mit Kleinoden, zehn Perlenketten und zehn Goldketten, drei Gürtel und sechs Kontrafette, alle mit Juwelen versetzt. Dazu die Ringe, die die Kammerfrau verwahrte.

In diesem Verzeichnis ist das Parisurteil durchstrichen. Einer der schönsten noch im Grünen Gewölbe verwahrten Anhänger ist dieses Parisurteil, ein anderes wird sonst nirgends urkundlich erwähnt. Die Durchstreichung läßt wohl annehmen, daß Sophie das Stück nicht für sich behalten, sondern daß es der Schatzkammer überwiesen wurde, und so ist uns wenigstens eines der kostbarsten Stücke erhalten geblieben. Und da das andere daneben verzeichnete Kleinod mit Aktäon von H. Kramer hergestellt war, so halte ich es für um so wahrscheinlicher, daß wir in diesem Parisurteil (Tafel 1, 5) eine Arbeit des Dresdner Goldschmieds Hieronymus Kramer vor Augen haben, da besonders unter seinen an Kurfürst Christian abgelieferten Arbeiten auch schon noch andere mehrfigurige Stücke vorkommen. Da es in den Rechnungen von 1586–90 nicht genannt ist, so wird es entweder vorher oder nachher entstanden sein. Für letzteres spricht, daß ein 1604 entstandener Anhänger (VIII 287) die gleiche Rückwand und die gleiche Fassung der Brillanten in keilförmigen Kasten hat.

Das Stück ist in seiner Komposition das erste und vollkommenste Beispiel für die jetzt auf kommende Vorliebe, ganze Szenen mit mehrfigurigen Gruppen zu einem auf der Brust zu tragenden Anhänger auszubilden. Die Szene erhält nunmehr eine bühnenartige Umgebung, sie steht meist auf einem festen, schmalen, vorn mit Demanten ausgefaßten Podium vor einer meist aus Ranken gebildeten und mit Juwelen besetzten Rückwand, die auch noch unter dem Podium herabhängt. So auch hier; die Rückwand hat einen ovalen Rahmen, umgeben von Blumen als Trägern von Demanten in Kasten und einen von solchen Demanten gebildeten Baldachin. Die sechs Figuren sind um den in der Mitte sitzenden Paris in zwangloser natürlicher Haltung gut gruppiert, nur Paris könnte in vornehmerer Pose dasitzen. Sehr glücklich ist Hermes und Aphrodite in Stellung und Haltung motiviert, ebenso auch der vorn links mit seinem Bogen spielende Cupido. Die beiden anderen Göttinnen bewahren gute Haltung. Alle drei weibliche Gestalten sind in ihren unverhüllten, gut proportionierten Körpern mit weißem Email überdeckt, wie dies bei diesen jetzt gern gezeigten körperlichen Vorzügen solcher Kleinkunstwerke die Regel wird, darin ein feineres ästhetisches Empfinden bekundend, als die Porzellanmalereien des 19. Jahrhunderts, die mit ihrem Fleischton der Natur zu nahe kommen. Die