Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/43

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

Gruppe kommt so auch in ihrer farbenreichen und blitzenden Umrahmung gut zur Geltung.

Unter den Anhängern des Grünen Gewölbes kommt diesem Stück stilistisch am nächsten das Kleinod mit den beiden sitzenden allegorischen Frauengestalten von Friede und Gerechtigkeit (Tafel 2, 5). Die aufgelockerte, durchbrochene Rückwand hinter dem stabilen Podium hat mit ihrem Bogenabschluß noch einen ähnlichen architektonischen Anklang wie dort, die Blumenkelche als Träger von Kastenfassungen sind auch hier verwendet, mag auch eine solche Zusammenstellung nicht ganz einwandfrei sein; sie ist jedenfalls ein Zugeständnis an den prunkliebenden Geschmack der Besteller. Das Sitzen der beiden Frauen ist schon kultivierter, der vor ihren Sitz dazwischen geschobene Dickstein bestimmt ihre untere Wendung nach außen, wogegen ihre obere traute Vereinigung für den allegorischen Gedanken als glückliches Symbol erscheint. Sein Meister ist nicht bloß ein geschickter Juwelier und Emailleur, er zeigt auch als Bossierer der Gestalten ein künstlerisches Feingefühl, das solchen Kleinkunstwerken der deutschen Renaissance ihren besonderen Reiz gibt. Da wir nun unter den von Hieronymus Kramer gelieferten Kleinodien auch Pax und Justitia aufgeführt fanden, so haben wir wohl dieses Stück als von ihm hergestellt anzusehen.

Nicht ganz sicher erscheint mir, ob wir einen der beiden großen Anhänger auf Tafel 4, 4 u. 5. Rs. 3, 2 David und Goliath und der Glaube gleichfalls als Werk Kramers anzusehen haben, da auch ein Goldschmied Hans Reiss(n)er in Augsburg 1582 an Kaiser Rudolf II. für den sächsischen Hof einen Anhänger „der Glaube“ geliefert hat. In dem bühnenartigen Aufbau haben sie noch Anklänge an die beiden vorher behandelten Stücke, auch die mit den Ranken verbundenen Tiermasken kommen dort schon gleichfalls vor, doch sind hier die Ranken unruhiger und haben das dort nicht vorhandene Beschlägewerk. Besonders aber entfernen die Anhänger sich von jenen durch die langgestreckten Verhältnisse der Gestalten und durch die Ausstattung der Figuren selbst mit Juwelen, eine Moderichtung der Zeit, die vermutlich von Frankreich ausgegangen ist. Der goldne Pokal im kunsthistorischen Museum zu Wien, den König Karl IX. von Frankreich 1570 dem Erzherzog Ferdinand von Tirol verehrt hat, ist von einem hl. Michael gekrönt, dessen Rüstung schon ähnlich unserem Goliath mit Diamanten ausgefaßt ist. An anderen Stücken sehen wir diese Eigenart noch gesteigert, wodurch ein solches Kleinod zwar reicher, aber