Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/46

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ausgesprochenen moralisierenden Tendenz als naher Vorläufer derselben entstanden ist.

H. Kramer war in Dresden Mitglied des Rates von 1593 bis 1604, so war er sicher auch so lange als Goldschmied tätig. Durch den Tod von Kurfürst Christian I. war ihm seit 1591 unter der sparsamen Vormundschaft des Herzogs Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar eine Arbeits- und Verdienstmöglichkeit geschmälert. Wir werden wohl nicht fehlgehen, wenn wir für das Jahrzehnt dieser Verwaltung des Landes (1591–1601) auch eine Unterbrechung des Bedarfs an Werken der Goldschmiedekunst für sicher halten. Gerade zu Beginn dieser für die Ausübung des Goldschmiedehandwerks in Dresden recht ungünstigen Zeit hatte sich hier ein Nürnberger Meister niedergelassen, vielleicht noch auf Veranlassung des Kurfürsten Christian I. In Nürnberg sagte Gabriel Gipfel am 1. Juni 1590 sein Bürgerrecht auf und wurde in Dresden 1592 Bürger, er wurde seit 1604 unter der Regierung der beiden Brüder Kurfürst Christian II. und Kurfürst Johann Georg I. der am meisten beschäftigte Goldschmied; er wurde Hofgoldschmied und Dresdner Ratsherr und erfreute sich des unbedingten Vertrauens und Wohlwollens besonders des letzteren. Wir haben Rechnungen von ihm bis 1615, aus denen gerade auch seine unausgesetzten Lieferungen an Gold- und Juwelenschmuck ersichtlich sind, worin er in der Menge sicherlich denen seines Vorgängers Kramer zumindest gleichkam. (H. St. A. Fach 8703. Allerhand Rechnungen ... von Gabriel Gipfel ... 1604–15.) Bei Durchsicht dieser vielen Rechnungen muß es direkt auffallen, wie selten jetzt im Gegensatz zu den Lieferungen des Hieronymus Kramer noch Kleinodien mit figürlichen Motiven vorkommen.

An allen bisher besprochenen Anhängern sind die figürlichen Motive in emaillierten vollrunden Gestalten entwickelt, sie waren offenbar Geschenke von persönlicher Bestimmung für Frauen. Bei den sächsischen Gesellschaftsstücken, die stets in mehreren Stücken hergestellt und vergeben wurden, bemerken wir dagegen geringeren Aufwand und die Bevorzugung des Reliefs. Unterschiede bemerken wir aus den erhaltenen Rechnungen nur darin, daß sie in bald größerer, bald geringerer Ausstattung mit Juwelen bereichert wurden, ebenso wie die Rahmen der jetzt vielfach gleichfalls verliehenen Kontrafette. Die Sitte dieser Verleihungen entstand in Anlehnung an die schon früher getragenen selteneren mittelalterlichen Ordenszeichen und die fürstlichen Kontrafette, diese jetzt meist in Gold geprägten Stücke von flachem Relief.