Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/49

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erhielt am 2. Januar 1592 der Administrator, Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar, zu Altenburg dieses ihm noch von dem Kurfürsten zugedachte Kleinod zugestellt. So können überhaupt nur ganz wenige Stücke davon ausgeführt sein und nur dieses eine auf Tafel 6, 2 ist mir bekannt geworden. Es hat mehr den Charakter einer Medaille als den eines Kleinods und es hat mit seinem Relief des herzförmigen Mittelstücks auch weder mit den Arbeiten, die wir den Dresdner Juwelieren H. Kramer und G. Gipfel zuschreiben dürfen, noch mit den flachen Medaillen des Tobias Wolf etwas gemein. Das von einem Schriftband eingefaßte Mittelstück ist durch einen grünen Rautenkranz mit einem äußeren fast ovalen Schriftband verbunden und dieses hat außen herum einen farbigen Rankenkranz, an dem es mit drei Kettchen an ein Schlußstück angehängt ist. Dessen C-artige, außen mit einem Knopf gezierte Ranken kommen genau so auf den Medaillen des Nürnberger Meisters Matthes Carl vor, der auf Ersuchen des Kurfürsten von dem Rat zu Nürnberg 1587 auf ein Jahr nach Dresden beurlaubt worden war. Er ist also der Hersteller dieses Gesellschaftsstücks.

Das rot emaillierte kreuzweise von Schwert und Pfeil durchbohrte Herz der Mitte hat in weißem Email vorn in Relief die Fides, hinten die Constantia und beiderseits die Umschrift Virtutis amore 1589, das äußere Schriftband hat die Umschrift: „Qui perseveraverit usque ad finem, salvus erit“ und ist oben mit Herz und Handtreue gekrönt, darüber die Buchstaben F S V = fide sed vide. Das Stück hat eine Kette mit emaillierten Wappenschilden. Sein künstlerischer Wert steht nicht so hoch, daß dazu ein Meister aus Nürnberg hätte berufen werden müssen, doch hat es in seiner medaillonartigen Form, in seiner Umrahmung und in seiner Verbindung mit einem Ringglied durch drei Kettchen wohl die folgenden Dresdner Stücke beeinflußt.

Von dem Gesellschaftsstück, das der Administrator 1594 für die drei minderjährigen Söhne des Kurfürsten Christian I. hat anfertigen lassen, gibt es zwei verschiedene und in verschiedener Weise ausgeführten Kleinodien, das eine in hochovaler, das andere in runder Umrahmung, Tafel 4, 2 u. 6, 3. Beide Stücke sind aber offenbar für dieselbe Gesellschaft hergestellt, vielleicht hat das runde nur der Administrator verliehen. Sie haben im Feld die gleichen Personifikationen von „Friede und Gerechtigkeit“ und im Rahmen die gleiche Umschrift aus dem 133. Psalm: „Ecce quam Bonum Et quam Jucundum Habitare fratres in Unum.“ Auf dem hochovalen Anhänger sind die beiden Frauen stehend