Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/56

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der jüngere Bruder des Kurfürsten, Herzog August von Sachsen, 1612 sich mit Elisabeth von Braunschweig, einer Tochter jenes Heinrich Julius, vermählte, da gab deren Mutter ihr neben Halsbändern und kleineren Ketten, sowie 13 Perlenketten, noch 1000 Goldgulden mit in die Ehe „anstatt einer goldenen Kette, weil dieselbe zu tragen itzo nicht mehr gebräuchlich“.

Wie die Mode sogar auch die Kleinode beeinflußte, das sehen wir an dem Pikenier und dem Musketier auf Tafel 8, 1 u. 2. Hier sind zwei Kriegsknechte vom Anfang des 17. Jahrhunderts in genauer Nachbildung ihrer Paradetracht dargestellt, wie sie damals zu dem Schlapphut, der Halskrause, dem Gänsebauch, zu Hosen, Strümpfen und Schuhen anderen Schnittes übergegangen war, doch noch ebenso an dem Kleiderluxus festhielt, mit dem schon die Landsknechte der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu prunken wußten. Die Figürchen sind später in der Schatzkammer auf Sockel gesetzt worden, haben aber noch die Ösen, die ihre Bestimmung zu Anhängern verraten, ja die Mondsicheln, auf denen sie stehen, bilden dazu den passendsten Abschluß. Wir können aus dieser nicht gerade glücklichen Aufstellung erkennen, wie die später zur Zierde von Möbeln aufgestellten sog. Nippesfigürchen, die ein bevorzugtes Sammelobjekt der Zeit Augusts des Starken zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurden, daran die Goldschmiede mit ihrer Juwelier- und Emailleurkunst all ihre Erfindung und Fertigkeit zur Geltung brachten, diese ihre Eigenart in der Fortentwickelung der schon vor dem 30 jährigen Krieg zu höchster Blüte gelangten Fertigkeiten erhalten haben. Die Figürchen sind auch Beispiele dafür, wie die Goldschmiede in ihren Kleinoden zu Beginn des 17. Jahrhunderts nicht mehr ausschließlich ihre Phantasie mit Idealgestalten in antikisierender Gewandung erfüllten, sondern, wie schon auch die Jägergesellschaft erkennen ließ, ihre Motive auch aus der Gegenwart zu entnehmen wußten. Wir haben schon früher beobachten können, wie neben jenen meist allegorischen, mythologischen und biblischen Motiven bei den Kleinoden der Blick auf die Umwelt hauptsächlich daraus auch zahlreiche Tierdarstellungen zu Schmuckmotiven hervorgeholt hat. Die Freude an der Jagd, aber auch die Liebe zum Tier mag hierzu geführt haben, daneben auch die Vorliebe für die Tierfabel. Daß die volkstümliche Dichtung dazu ihren Anteil geliefert hat, konnten wir an dem Vorkommen von Motiven wie Fortunatus’ Säckel und der Melusine erkennen. Es scheint auch, als ob der Anhänger, der auf späterem Sockel auf Tafel 8, 3 eine die Laute spielende Dame auf einem gezäumten