Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/66

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Neptunsvase hergestellt hat, die von Gabriello Saracho 1579 für den Herzog Albrecht V. nach Morigia aus Kristall geschnitten und von seinem Bruder Pietro Antonio Saracho in Gold gefaßt wurde. Diesen Hauptstücken stehen die meisten anderen in Gold gefaßten Kristallgefäße stilistisch und technisch so nahe, daß daraus auf die gleiche Entstehungszeit und Werkstatt geschlossen werden muß. Aus den Dresdner Urkunden haben wir also jetzt die wertvolle Erkenntnis gewonnen, daß diese Stücke schon zu Lebzeiten des Kurfürsten August von Sachsen in Dresden vorhanden waren und von einigen davon wird bezeugt, daß sie vor 1580 als Geschenke direkt aus Italien hierher gekommen sind. Ob Kurfürst August hierzu auch eigene Ankäufe gemacht hat, dafür haben sich bisher keine Anhaltspunkte finden lassen. Ebensowenig dafür, daß die in Dresden vorhandene Gruppe unter seinem Sohn Kurfürst Christian I. (r. 1586–91) oder dem Administrator Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar (1591–1601) wesentlich ergänzt worden wäre. Der seit Anfang 1575 in Dresden angestellte italienische Architekt und Inventionskünstler Gio. Maria Nosseni hat zwar Wesentliches geleistet für die Gewinnung und Bearbeitung des Marmors, Alabasters und Serpentins, nicht aber für den Steinschnitt und das Schleifen der sächsischen härteren Quarzarten. Von einer Reise nach Venedig und Modena im Jahr 1588, um für die Freiberger Fürstengruft Künstler zu gewinnen und für den Stallhof Schilde zu bestellen, brachte er aus Venedig für 200 Taler dort gekaufte Kristallgläser mit. Nach der Summe zu schließen, mögen dies die drei Stücke gewesen sein, die lange nach jener Erwerbung in die Schatzkammer gelangten. Allem Anschein nach sind dies dieselben Gläser, die er erst 1601 bezahlt erhielt. Er hatte 1595 eine Eingabe gemacht, worin er eine größere Summe verlangte, die er angeblich zugesetzt hätte, darin ist auch jene Erwerbung angeführt. Er wurde vertröstet, sich mit seiner Forderung bis zur Mündigkeit Christians II. (r. 1601–11) zu gedulden. Aus dem Jahr 1601 hat nun kürzlich Walter Holzhausen eine Rechnung gefunden, nach der Kurfürst Christian II. durch denselben Nosseni drei kristallene Trinkgefäße von dem Mailänder Ambrogio Saracho zum Gesamtpreis von 275 Talern (d. i. die um die Zinsen erhöhte Ankaufssumme) erworben hat. Dieser Kristallschneider gehörte noch zu der älteren Generation seiner Familie und war schon zu der Zeit tätig, als die in der Dresdner Schatzkammer vorhandenen Stücke entstanden, er war 1595 noch am Leben. Sie werden also stilistisch von jenen kaum zu trennen sein, mögen sie nun früher oder später