Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/70

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hatte zwar noch Demanten unter den aufgesetzten Edelsteinen, die hier fehlen, scheint aber doch auf den Deckelpokal auf Tafel 14 hinzuweisen. Zweifellos ist dieser gleichzeitig entstanden mit der in dem Inventar unverkennbar beschriebenen Orpheusuhr auf Tafel 13 links. Mit dieser hat er gemeinsam die gleiche emaillierte und mit Farbsteinen geschmückte durchbrochene Goldfassung am Fuß, so daß wir also bei diesen beiden Stücken auch an den gleichen Meister zu denken haben. Dieser aber war ein Meister deutschen Stammes, denn er hat unter dem Boden der runden Scheibe mit dem Berg, auf dem Orpheus sitzt, in deutschen Worten den Sinn seiner Darstellung erklärt und zwar mit eingestochenen Buchstaben und Ornamenten, die mit schwarzem und durchsichtigem farbigen Email auf leicht gewölbter polierter Goldplatte erfüllt sind. Unser Pokal nun hat nur einen glattgeschliffenen kegelförmigen Kelch, ohne jede Steinschnittverzierung, wie solche aus Bergkristall schon seit dem Mittelalter in Deutschland hergestellt wurden, ebenso auch den Fuß und Deckel. Die Ornamentik an der Goldfassung des Mundrands in Blumenranken mit eingestreuten Tieren ist für deutsche Arbeit auch nichts Ungewöhnliches, ebenso auch das durchbrochene Beschlagwerk der unter dem Goldband des Randes den Kristall einfassenden Behänge, die ebenso wie hier an dem Kelchglas gleichartig am Fußrand und am Deckelrand wiederkehren. Der auf dem Deckelknopf stehende überschlanke antike Krieger hatte nach dem Inventar einen Spieß in der Rechten und hielt in der Linken einen mit einem Opal geschmückten Schild. Die allenthalben dem in hohem Relief gebildeten emaillierten Beschlagwerk in Kastenfassungen aufgesetzten Farbsteine erhöhen den Farbenreiz des Gefäßes und seinen materiellen Wert.

Das gleiche gilt von der Orpheusuhr auf Tafel 13. Hier ist die gewölbte Kristallschale des Fußes völlig von den gleichfalls durchbrochenen Ranken überdeckt und die größeren aufgesetzten Edelsteine haben entsprechend reicher entwickelte Kastenfassungen. Der Schaft ist dann gleichfalls aus durchbrochenen Ranken in drei aufeinandergesetzten Gliedern gebildet. Die Ranken sind gedrängter zusammengefügt. Und so ist auch der von einer senkrecht geteilten Kristallkugel eingeschlossene Hügel, auf dessen Spitze der musizierende Orpheus sitzt, von Pflanzen und Tieren dicht bedeckt, dazwischen noch mit Edelsteinen besetzt, die wieder das Farbenspiel der Emaillierung aller Figuren bereichern. Die kleinere obenauf sitzende wagrecht geteilte Kristallkugel dreht sich um ihre senkrechte Achse und hat im Innern ein wagrecht eingebautes