Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/72

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Werke bei dieser Art des Emails zumeist nur an einen einzigen dafür bezeugten Meister gedacht. Offenbar war aber Technik wie Stilistik im Besitz mehrerer an verschiedenen Orten tätiger Meister, darunter auch eines in Dresden und wir haben keine Veranlassung, an Augsburger Ursprung zu denken. Ich schließe vielmehr folgendermaßen. Beide so verwandte Werke haben deutsche Inschriften, sie sind auch sicher bald nacheinander in Deutschland entstanden. Der Pokal aus Glauchau aber trägt die Jahreszahl 1566. Die dazu verwendeten Teile aus Bergkristall sind in einfachsten Formen angefertigt. Es besteht kein Grund, hierbei etwa an italienische Herstellung zu denken, insbesondere da der Pokal diese Teile in den, nicht in Italien, wohl aber in Deutschland üblichen Formen zubereitet erkennen läßt. Die Empfänger beider Stücke lebten in Sachsen und standen miteinander in Verkehr, waren Fürsten, die hohe Anforderungen stellen konnten. Der Kurfürst von Sachsen suchte von auswärts die besten Künstler zu gewinnen, die in Dresden seinen künstlerischen Ansprüchen zu dienen hatten. Dafür besitzen wir hinreichende, im Land entstandene Werke als Zeugnisse. Beide Stücke sind also höchstwahrscheinlich von einem zeitweilig in Sachsen lebenden Goldschmied hergestellt worden, den der Fürst von Schönburg-Waldenburg hier kennen und schätzen gelernt hatte. Der Pokal mag also dafür zeugen, wenn wir Heinrich Hoffmann als den Urheber der Orpheusuhr zu erkennen haben, daß der 1563 nach Nürnberg zurückgewanderte Meister die in Sachsen während seines achtjährigen Dresdner Aufenthaltes erlangten Verbindungen auch von dort aus noch weiterhin pflegen konnte. Das war um so eher möglich, als ja Nürnberger Meister die Leipziger Messen regelmäßig besuchten. Für die Orpheusuhr haben wir noch in dem ersten Inventar der Dresdner Schatzkammer von 1588 den urkundlichen Nachweis, daß sie hier schon damals vorhanden war, sie ist also nicht, wie man früher annahm, erst im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts entstanden, noch auch von Gabriel Gipfel hergestellt worden, der erst 1592 in Dresden sich niederließ, noch auch nach Entwurf von Paul von Vianen für Kaiser Rudolf II. in Prag, der dort erst seit 1603 tätig war. Dies hat A. Weixlgärtner im Jahrbuch der Wiener Museen 1928 S. 302 wahrscheinlich zu machen gesucht, indem er das dort befindliche von Vianen signierte Modell mit dem Relief eines Windhundes mit der Entstehung der Wiener Orpheusuhr in Zusammenhang brachte. Dann müßte es sich also damit ebenso für die ganz genau gleiche Dresdner Orpheusuhr verhalten haben. Dies ist aber unmöglich, da die in Dresden schon 1588