Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/75

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in lebhafter Verhandlung dargestellt ist. Die nur wenig gewandeten nackten Gestalten fallen auf durch ihre langgestreckten Verhältnisse und kleinen Köpfe und ihre schematisch gebildeten Körper. Sie bekunden handwerkliche Routine bei geringer Naturnähe. Ein anderes Formgefühl steckt in den doppelschwänzigen geflügelten Sirenen der beiden Angriffe. Die in mattem Gold strahlenden Körperformen sind ganz organisch in die stilisierten Formen der emaillierten Flügel und Schwänze übergeführt. Deren Farbenpracht wird noch gesteigert durch den von zwei Rubinen flankierten Smaragden des Leibgürtels. Die an Kleinoden erprobte Kunst des Goldschmieds hat diesen dekorativen Zutaten der Flasche höheren künstlerischen Wert verschafft. Die abwechselnd durch Rubine und Smaragden in Kastenfassungen belebte Goldfassung des Fußrandes ist durch gravierte und schwarz emaillierte Ranken auf schraffiertem Grund zu kaum geringerer Geltung gebracht. Zu diesen farbigen Akzenten der wasserhellen Flasche kam noch ein goldener Deckel mit einer Rubinwacke, von dem wir aber nur durch die Beschreibung des Inventars von 1588 Kenntnis haben; gemeint ist damit wohl ein Stein in mugelig geschliffener Naturform.

Diesem Prunkstück kommt in ihrer kostbaren Fassung durch den Goldschmied am nächsten die Teufelskanne auf Tafel 18. Auch bei diesem Ziergefäß ist die Form bestimmt worden durch die zufällige Gestalt des Fundstücks, die zu einem Gefäß in Eiform mit breiter Öffnung führte. Zur Standfestigkeit mußte dann ein kreisrunder Fuß mit kurzem Schaft hinzukommen, dessen Rand und Knauf wieder in gleicherweise, wie die Flasche, ihre Goldeinfassung mit Emaillierung und aufgesetzten Kasten mit Rubinen und Smaragden erhalten haben, offenbar von derselben Hand wie jene. In der Verzierung des Gefäßes hat der Steinschneider schon im Entwurf sich mit dem Goldschmied verständigt. Die ganze Wand ist überdeckt mit vertieft und erhaben geschnittenen Ranken, zwischen denen langhalsige groteske Tiere zu sehen sind. An der Außenwand hockt, in stärkerem Relief geschnitten, eine Gestalt, die das Gefäß an der Einschnürung des Randes mit beiden Armen umfaßt. Da aber der Stein dort nicht so hoch emporragte, hat diese Gestalt ihren emporgereckten Kopf aus Gold erhalten, der durch seine unförmliche Gesichtsbildung als der eines Teufels zu erkennen ist. Entsprechend sind auch die Oberarme mit goldenen Teufelsflügeln überdeckt. Der ganz aus Gold gebildete Henkel besteht aus einer kleineren armlosen Halbfigur, die dem Teufel auf dem Rücken aufsitzt, mit der eine ebensolche weibliche Halbfigur Schulter an Schulter und