Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/76

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nach Art einer Doppelherme Kopf an Kopf zusammengewachsen ist, die den Henkel nach unten fortsetzt. Die Biegung beider Halbkörper bildet den graziösen Schwung des Henkels, der unter dem weiblichen Rumpf, durch eine Maske vermittelt, in den gestreckten zu der Kanne zurückstrebenden Steg übergeht und wieder durch eine Maske mit ihr vereinigt ist. Das mattierte Gold bringt durch die Kontrastwirkung diskreter Emaillierung und der Rubine und Smaragde an Leibgürtel und Brust, sowie entlang dem Steg, die lebensvollen Körperformen zu eindrucksvoller Geltung. Einen ähnlichen farbigen Akkord bildet am Knauf und Fußrand das mit schwarzen Emailranken gezierte matte Gold mit den in Kasten aufgesetzten Farbsteinen. Doch diese farbige Einfassung übertönt nicht das Kristallgefäß selbst, da dieses durch die vielfachen Reflexlichter der eingeschnittenen Formen zu lebhafterer Erscheinung gebracht ist, als jene Flasche mit ihren mattierten Intaglios.

Beide Verfahren sind angewandt an der langgestreckten Kristallschale auf Tafel 19, die als Galeere ausgestaltet ist; dazu ist dann noch eine dritte Anwendung des Steinschnitts hinzugefügt worden, die zur Bildung voller Körper, die oben als Ansatzstücke am Schiffsrumpf hervorragen und die unten den Sockel bilden, auf dem jener aufgelagert ist. Die Ansatzstellen sind auch hier wieder mit Gold verkleidet, das mit Emailranken gemustert und mit Farbsteinen besetzt ist. Solche Ansatzstücke sind an beiden Bordseiten die als Angriffe verwendbaren weiblichen Teufelshermen, die wieder doppelköpfig gebildet sind, indem am Rücken ein Delphinskopf nach innen ragt, sowie achtern ein Drachenkopf mit gesenktem Hals, hinter dem das Kartenhaus mit gewölbtem Dach über einem Wallgang dem Schiffsrumpf aufgesetzt ist. Ebenso wird der Fuß aus zwei, Rücken an Rücken gelagerten Seeungeheuern gebildet mit aus den Leibern herausragenden Köpfen. Diese Teile hat also der Steinschneider dem Goldschmied nicht überlassen wollen und diesem nur eine bescheidenere Mitarbeit zugewiesen, nicht immer zum Vorteil des Gesamteindrucks; doch erlangt dieses Verfahren bei den Bergkristallgefäßen eine zunehmende Verbreitung. Neben diesem plastischen Schmuck kommt die vertieft eingeschnittene Verzierung am Schiffsrumpf, Vorderteil und Kastelldach nicht wesentlich zur Mitwirkung; denn nur bei erhöhtem Standort des Gefäßes lassen sich die Figurenszenen am Schiffsrumpf betrachten, in denen der Steinschneider den Raub und die Befreiung der Andromeda am Meeresufer dargestellt hat, wieder indem die Figuren sich mattiert von dem durchsichtigen Kristall abheben. Auf das