Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/77

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breite emaillierte Goldband quer um den Schiffsrumpf ist das Monogrammschild Augusts des Starken erst im Jahr 1705 nach einer Beschädigung des Stücks hinzugekommen. Dagegen war die über dem Kastelldach emporragende Fahne, wie deren Postament beweist, schon gleich anfangs vorgesehen und sie scheint auch noch mit dem weißen Kreuz in rotem Grund die ursprüngliche zu sein. Ob damit die dänische Kriegsflagge gemeint und das Stück etwa als Geschenk für Mutter Anna, gest. 1585, oder für Hedwig, die Gemahlin von Kurfürst Christian II., verm. 1602, Witwe 1611, hierher gelangt ist, oder ob die Savoyische oder eine andere Mittelmeerflagge gemeint war, das ist nicht sicherzustellen. In dem Inventar der Schatzkammer wird das Stück nicht aufgeführt, auch nicht in dem der Kunstkammer. Dagegen könnte eine nicht viel spätere literarische Nachricht auf die Galeere, die größte ihrer Art in Dresden, Bezug haben. Philipp Hainhofer berichtet von seinem Besuch Dresdens 1629 über das damals fast vollendete Lusthaus an der Elbe, das 1747 in die Luft flog, daß in dessen Tafelgemach auf einem Tresor, neben anderen kostbaren Gefäßen, auch „eine in gold gefaßete nave von Böhmischem diamant, die 4 maß fasset“, aufgestellt werden solle, die dem Kurfürsten Johann Georg I. „vom jetzigen Kaiser Ferdinando (r. 1619–37) ist verehret worden.“ Man kann also als deren Verfertiger auch den in Prag von 1588 bis 1623 tätigen Mailänder Ottavio Miseroni oder seinen Sohn und Nachfolger Dionysio in Betracht ziehen.

Die Galeeren waren ein bei den Mailänder Kristallschneidern beliebtes Motiv. Ein Gegenstück zu der Dresdner Galeere bildet das früher reich mit goldenen Figuren belebte Stück in der Münchner Schatzkammer, das nach Morigia von den Brüdern Saracho für Herzog Albrecht V. von Bayern ausgeführt worden war. Die länglichen Kristalle waren ja zu einem solchen Stück besonders geeignet. Eine andere gleichfalls beliebte und mehrfach gearbeitete Gefäßform war die eines Vogels, mit langem Hals, der auch als Reiher bezeichnet wird. In der Dresdner Schatzkammer befanden sich 1588 zwei solcher länglicher Gefäße, das eine mit einem Drachenkopf, das andere mit einem Schwanenkopf, jenes noch mit zwei Handhaben und mit Juwelen besetzt, dieses ohne solche und nur mit Gold beschlagen. Das scheint das auf Tafel 20 abgebildete Stück zu sein, doch fehlt dabei die Erwähnung des aus Gold gegossenen, auf dem Rücken des Vogels stehenden Neptun von mehr summarischer Modellierung. Es ist aber zutreffend nur als längliche Schale bezeichnet; diese ist nur glatt geschliffen und ohne jede Gravierung, auch hat sie einen dazu passenden eiförmigen