Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/80

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häufig angewandte Motiv von in Meereswellen schwimmenden Tritonen und Delphinen gehörte zu dem Inventar der Mailänder Werkstätten. Ein schönes Beispiel hierfür bildet neben anderen Dresdner Stücken die kleine Wiener Schale mit der Künstlersignatur F. Tortori. Unser schöner Pokal wird schon unter den Kristallgefäßen der Dresdner Schatzkammer im ersten Inventar von 1588 aufgeführt. Tafel 22.

Gleichfalls regelmäßig gebildete Formen haben die beiden Kannen auf Tafel 23. An diesen Stücken konnte der Kristall auch noch dazu benutzt werden, bei dem einen den Henkel, bei dem andern den Henkel und z. T. den Ausguß noch aus demselben Stück zu schneiden. Bei der größeren Kanne hat der Steinschneider auch noch plastische Motive hinzugefügt, am Henkel den Löwenkopf, am Ausguß die Halbfigur eines Teufels mit schalenartig erweitertem Unterkiefer, der als Ausguß dient. Das Stück wird nicht nur hierdurch, sondern auch durch die gleichartige mit Farbsteinen besetzte und schwarz emaillierte Goldfassung den früheren Stücken zugesellt. Nur in der Verzierung der Kannenwandung hat der Steinschneider auf figurale Motive verzichtet, dafür am Boden eine Reihe radial gestellter sog. Oliven eingeschliffen, solche sind aber auch schon an dem Knauf des Reihers angewendet; ein Motiv übrigens, das bis in unsere Zeit in dem Schliff von Gläsern und Schalen sich erhalten hat. Außerdem ist die Kannenwandung nur noch durch eingeschnittene und mattierte vom oberen Rand herabhängende Festons belebt, so daß auch hier das durchsichtige Material mit geläutertem Stilgefühl zur Geltung gebracht wird.

Der kleinere Deckelkrug auf derselben Tafel 23 erinnert in seiner gedrungenen bauchigen Form direkt an Erzeugnisse der Töpferkunst. Der Steinschneider hat daran den Deckel mit Ranken verziert, das Gefäß aber in eine untere, leer gelassene und eine obere, mit eingeschnittener Landschaft und gelagerten Figuren belebte Zone eingeteilt. Darin könnte man wohl eine Nachwirkung der Kunst des Valerio Belli (c. 1468–1546) erblicken. Die mit Farbsteinen besetzte emaillierte Goldfassung weist dem Krüglein die gleiche Rangstellung zu, wie den von anderen italienischen Meistern ähnlich geschmückten Ziergefäßen von rhythmisch belebterer Formenbildung.

Ein etwas schlankeres, regelmäßig nach Art von Glasgefäßen gebildetes bauchiges Gefäß mit Deckel und ohne Henkel hat durch seinen höheren Fuß mehr pokalartigen Charakter erhalten. Tafel 14. Hier ist wieder, wie an dem hohen Pokal, der untere Teil nur durch eingeschnittene Wellen mit einem Tritonenkampf