Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/81

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durch Mattierung als Bildwandung verwendet und nur der Öffnungsrand durch einen eingeschnittenen Ornamentfries abgetrennt, so daß der Zwischenraum als Luftraum über dem Wasser wirkt. Wieder ist die juwelenbesetzte Goldfassung am Knauf und Fußrand von verwandter Arbeit, wie die anderen Stücke. Das formschöne Ziergefäß wurde 1926 an den Verein Haus Wettin A.L.E.V. abgegeben. Das Grüne Gewölbe besaß auch noch ein Stück von gleicher Form, Gravierung und Goldfassung (V, 266).

Es folge hier eine Gruppe kleiner Kristallgefäße, die auch durch Steinschnitt verziert sind, bei denen aber die Arbeit der Emaillierung der Goldbeschläge keinen sicheren Schluß auf deren italienischen Ursprung zuläßt; sie sind auch nicht in dem ersten Inventar der Schatzkammer wiederzuerkennen, wenn auch ihre Entstehungszeit mir nicht später zu liegen scheint. In dem Inventar der Kunstkammer werden 14 Kristallgläser 1595 aufgeführt. Die aus Kristallplatten zusammengesetzte vierkantige Büchse mit oben aufgesetzter zylindrischer Öffnung auf Tafel 24 oben Mitte ist an den Kanten mit emaillierten und polierten Goldreifen gefaßt, die nichts mehr mit den früheren Goldfassungen verbindet. Die Flächen sind in grotesker Manier mit matt eingeschliffenen Bändern, Ranken und Blütenkelchen bedeckt, in denen an den Breitseiten unten groteske Vögel mit menschlichen Köpfen auf langgestreckten Hälsen sitzen, die wohl italienischer Erfindung sind. Die Herstellung von Kristallplatten ist neben der Gefäßbildung schon in der italienischen Renaissance üblich. Neu ist hier die Zusammenfügung von Platten nach Art von Schreinerarbeiten. Solche Platten wurden sonst meist als Füllungen von Kästen verwendet. Wir sahen diese schon am Sockel des großen Standspiegels. Ein Hauptwerk, an dem Kristallplatten auch mit figuralen Darstellungen verziert sind, ist die Ebenholztruhe in der Reichen Kapelle zu München mit Szenen des Alten Testaments und Grotesken in Tiefschnitt und mit Goldfassungen in spanischer Manier, die noch aus dem Besitz des Herzogs Albrecht V. von Bayern stammt und zu dessen Disposition von 1565 hinzugefügt wurde. Sie wird als ein Werk des Mailänder Annibale Fontana anerkannt.

Das auf derselben Tafel 24 oben links stehende Trinkgefäß ist besonders dadurch von Interesse, daß die Form der Art von getriebenen Metallgefäßen nachgebildet ist, indem die Becherwand im Vierpaß zum Mundrand aufsteigt. Sie hat hier oben einen eingeschliffenen Fries von Ranken und Fruchtbündeln, darunter drei Zonen von Oliven. Eine Goldfassung verbindet den kurzen Fuß