Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/86

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zeichnet. Diese Stücke hatte der Kurfürst, durch Empfehlung des Obersten über das deutsche Kriegsvolk Adrian von Sittinckhausen in Diensten der Republik Genua, von Baptista Semino und Christoph de Negro angekauft, die 1579 mit Herzog Albrecht V. von Bayern wegen des diesem zu hohen Preises ihrer Waren von 3500 Talern nicht einig geworden waren, dann aber Geld brauchten. (Die Hofsilberkammer Dr. 1886, S. 31–32.) Die künstlerisch vollendetste Verzierung haben aber die beiden auf Tafel 11 abgebildeten Messer. Deren goldene Griffe sind mit Schlangenhautmusterung zwischen Laub graviert und in harmonischem Zusammenklang der zarten blauen und grünen Farben emailliert. Die Messer gehören in die Scheide eines Dolches, den zugleich mit einem Rappier Herzog Albrecht V. von Baiern nach 1567 dem Kurfürsten August geschenkt hat, sie sind darum 1926 zu diesen beiden Stücken in das Historische Museum gelangt. Die ausgezeichnete Emailarbeit an den goldenen Griffen dieser Stücke, hat Verwandtschaft mit der Goldarbeit an Rappier und Dolch, die Kf. August 1575 von Kaiser Maximilian II. geschenkt erhielt. Als Urheber dieser Werke ist urkundlich ermittelt Pery Juan Pockh, der im Dienst der Kaiserin Maria stand. Im Jahr 1551 wurde er Meister in Barcelona und wird dort noch 1587 erwähnt. (Vgl. E. Haenel, Kostbare Waffen aus der Dresdner Rüstkammer. Lpz. 1923, T. 46 u. 48.) So lassen jene Waffen einen der Wege erkennen, auf denen spanische Kunstweise in Deutschland Eingang fand.

Das Mittelstück auf Tafel 10 stammt gleichfalls sicher noch aus der Zeit des Vaters August. Dieser Handspiegel ist nur aus vergoldetem Silber hergestellt, der Stiel, gegossen und verschnitten, hat eine nach Renaissanceart aus mehreren Motiven zusammengefügte Form, deren Hauptteil ist eine unbekleidete weibliche Figur, die ein am Rücken herabgleitendes Gewand mit erhobenen Händen hält. Auf dem Kopf trägt sie eine Vase, daran angefügt die mit ausgestochenen Mauresken verzierte Scheibe für den Spiegel. Sie ist wohl als Eva gedacht, auf der Spiegelseite bildet die Büste von Gottvater die symbolisch gemeinte Spitze. Hätte der Erfinder des Spiegels die Bronzespiegel der Etrusker gekannt, er hätte die Spiegelscheibe direkt von der Eva tragen lassen. Das anspruchslosere Stück bezeugt aber doch noch, wie eine gleiche verfeinerte Lebenshaltung verwandten kunsthandwerklichen Ausdruck findet. Als Kurfürstin Anna als junge Frau nach Dresden kam, da brachte sie schon ein viereckiges Handspiegelchen mit (VI 82 w) in Elfenbeinrahmen mit zu kurzem Griff und mit emaillierten Goldleisten belegt. Auf der Rückseite auf einer Goldscheibe emailliert Titel