Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/90

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

für seine Mutter Sophie von dem Dresdner Goldschmied Gabriel Gipfel angekauft hat. Sie haben im Anschluß hieran den Kruzifix „als erste aktenmäßig beglaubigte Arbeit“ dieses Meisters bezeichnet und ihm, als stilistisch und technisch mit ihm übereinstimmend, den vom Herzog von Savoyen dem Kurfürst August geschenkten Standspiegel, sowie die schönsten der wiederum mit diesem Spiegel gleichartig in Gold gefaßten Bergkristallarbeiten als Werke des Gabriel Gipfel anerkannt. Das wurde von keiner Seite beanstandet und so hatte ich auch in den Führern von 1915 und 1921 diese Zuschreibungen übernommen, zugleich aber im Vorwort darauf hingewiesen, daß mir damals die Gelegenheit zu Fachstudien darüber versagt wurde, die nur durch den Vergleich mit den gleichartigen Werken in auswärtigen Sammlungen eine bessere Erkenntnis ermöglichen konnten. Waren doch dort schon solche Stücke als italienische Arbeiten erkannt worden. Seit 1924 war es mir dann erst im Ruhestand möglich, die auswärtigen Museen zu besuchen und in Dresden damit archivalische Studien zu verbinden, die mich das Inventar der Dresdner Schatzkammer von 1588 finden ließen. So kann also jetzt an dem auch von anderen Forschern anerkannten italienischen Ursprung jener erheblich früher hierher gelangten schönsten Dresdner Bergkristallwerke kein Zweifel mehr aufkommen.

Ist aber nun wirklich jener Kruzifix durch jene urkundliche Nachricht als eine beglaubigte Arbeit des Dresdner Meisters Gabriel Gipfel erwiesen? Darin ist doch nur erst angegeben, daß er von ihm angekauft ist. Wenn man die aus den Jahren 1604–15 erhaltenen überaus zahlreichen Rechnungen, deren eingehendere Prüfung viele Wochen Zeit kosten wird, nur durchblättert und noch das Verzeichnis der 1611–12 von Gipfel und anderen Meistern angekauften Werke durchsieht (H. St. A. Fach 8694 Inv. 1541–1662), dann kann man sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß Gabriel Gipfel dies alles unmöglich allein in seiner Werkstatt hat erzeugen lassen können. Eine Gewißheit darüber zu erhalten, wäre also nur möglich, wenn Werke von Gabriel Gipfel vorhanden wären, die mit jenem Krufizix in Einzelheiten übereinstimmen. Das wenige aber, was ich bisher als eigene Arbeit des Meisters wahrscheinlich machen konnte, Gesellschaftsstücke und Anhänger, bietet dazu bei seiner andersartigen Gestaltung keinen Anhalt. Am Fuß des Kreuzstammes sind am Hals der ihn tragenden Vase zwei Ranken abgezweigt, auf denen die in Gold emaillierten Figürchen von Maria und Johannes stehen. Ebenso ist der Fuß der Vase, wo