Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/92

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worden. Nur die Bezahlung ist erst 1602 erfolgt. In der Rechnung dieser Weihnachts- und Neujahrsgeschenke ist aufgeführt: „422 fl. 18 Gr. vor ein christallen Kreutz. Ist Ihrer churf. G. Ao. 1601 zum hl. Christ beschert worden.“ (Inv. 1541–1662, Bl. 332.) Das Kreuz hat unsere kunstgeschichtliche Erkenntnis lange irregeführt. Ich finde doch eine gewisse Übereinstimmung mit dem Spiegel in den aufgesetzten Schmuckstücken und ferner darin, daß bei beiden Stücken für die nicht übereinstimmenden figürlichen Teile Gold, dagegen für den Fuß (und beim Spiegel auch für den Rahmen) nur vergoldetes Silber verwendet wurde. Das läßt mich daran denken, daß beide Stücke in der Silberarbeit und dem Kristall von einem und demselben italienischen Meister hergestellt sind. Nun ist allerdings der Spiegel schon in dem Kunstkammerinventar von 1587 aufgeführt und der Kruzifix erst 1601 erworben worden. Das läßt mich an folgenden Zusammenhang denken: Als der Hofarchitekt Gio. Maria Nosseni 1595 zum zweitenmal heiratete, machte er jene auf S. 58 erwähnte Eingabe um Erstattung von Auslagen und Einbußen, darunter auch von 200 Talern für angeblich im Auftrag des verstorbenen Kurfürsten Christian I. 1588 in Italien gekaufte Kristallgläser. Da ist es doch höchst auffallend, daß er diese Gläser nicht schon 1588 abgenommen und bezahlt erhielt. Mir scheint, daß er dies 1595 nur vorgab, weil er Geld brauchte und dafür u. a. die Kristallgläser, die er 1588 für sich gekauft hatte, nunmehr verwerten wollte. Er wurde 1595 bis zur Großjährigkeit Christians II. vertröstet und erhielt die Kristallgläser auch 1601 bezahlt und der Kurfürst hat sie (jetzt erst), wie die Rentkammer schreibt, „Ihme“ d. h. für sich „behalten lassen“. Gleichzeitig mit jenen Gläsern hatte Nosseni nach meiner Annahme auch jenen Kruzifix für sich gekauft, von dem er sich 1595 jedoch noch nicht trennen wollte. Als er dann 1601 die Gläser abgab, entschloß er sich, auch den Kruzifix zu veräußern. Für diesen konnte er sich aber jetzt nicht mehr auf einen angeblichen Auftrag des Kurfürsten Christian I. berufen und so hat er ihn an Gabriel Gipfel verkauft und dieser hat dafür noch in demselben Jahr 1601 in Kurfürst Christian II. einen Käufer gefunden. Den Kruzifix aber hatte Nosseni 1588 von demselben Mailänder Kristallschneider erworben, von dem er auch die drei Gläser gekauft hatte, den er bei deren Abgabe namhaft macht: Ambrogio Saracho. So erklärt es sich, daß die Brüder Erbstein in dem Kruzifix dieselbe Meisterhand erkannten, wie an dem Spiegel, daß sie aber an dessen figuralen Goldteilen noch eine andere Hand bemerkten, die dann auch an den anderen Arbeiten wie der Flasche und der Teufelskanne